Westerstede - Im hinteren Bereich der Mensa in der Westersteder Robert-Dannemann-Schule sitzen einige Jugendliche am Tisch, vor sich das Modell einer Brust. Mit sanftem Druck versuchen sie, ein Knötchen zu ertasten. „Mensch, das ist ganz schön schwierig“, sagt eines der Mädchen, bevor es die Erkundung fortsetzt und zunehmend sicherer wird. Diese praktische Übung ist Bestandteil eines erfolgreichen Kooperationsprojektes zwischen dem Verein „Freundeskreis Brustzentrum Ammerland“ und der Robert-Dannemann-Schule (RDS). Rund 80 Schülerinnen und Schüler aus dem Profilbereich „Gesundheit und Soziales“ der 9. und 10. Klassen setzten sich am Dienstag intensiv mit dem Thema „Brustkrebs“ auseinander.

„Uns geht es um Brustgesundheit im weitesten Sinne“, betonte Dr. Michael Hippach und nannte die Stichworte Aufklärung, Vorsorge und Früherkennung. In einem einführenden Vortrag zählte der Mediziner auch etliche Risikofaktoren auf, zu denen unter anderem das Rauchen gehört. „Eine von neun Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Es ist wichtig, dass Ihr aufpasst“, sagte er zu den jungen Zuhörerinnen und ermutigte sie, später die Vorsorgeangebote wahrzunehmen und sich selbst zu untersuchen.

In Kleingruppen konnten sich die Jugendlichen im Anschluss an den Vortrag noch einmal detailliert mit verschiedenen Aspekten befassen. So ging Dr. Hippach auf die Themen Diagnostik und Operation ein, eine von Brustkrebs betroffene Frau erzählte von ihren persönlichen Erfahrungen, eine Methode zur Brustselbstuntersuchung wurde vorgestellt, und der Verein „Freundeskreis Brustzentrum Ammerland“ rückte die Betreuung von Erkrankten in den Mittelpunkt. Auch auf diesem Gebiet gab es schon Berührungspunkte mit der Schule. In regelmäßigen Abständen beteiligen sich Jugendliche an der Herzkissen-Aktion: Dabei werden Stoffkissen genäht, die Frauen einerseits nach der Brust-Operation trösten sollen, andererseits auch durch ihre Form die Wunde entlasten. Insgesamt wurden bereits 1800 Exemplare – gefertigt von vielen weiteren Helfern – an Kranke verteilt.

Gebahnt hatte das ungewöhnliche Unterrichtsprojekt Andrea Kahlfeld, Lehrerin für Gesundheit und Soziales. „Seit Beginn des Schuljahres 2011/12 gibt es an der RDS diesen Profilbereich. Dazu gehört auch das Thema Gesundheit, und bei der Suche nach einem passenden Projekt vor Ort bot sich diese Kooperation an“, erläuterte sie den Hintergrund. Auch Schulleiter Harm Frerich Saathoff unterstützt das Angebot. „Wir wollen, dass sich die Schülerinnen und Schüler praxisnah mit vielfältigen Themen befassen. Das dient auch der Berufsorientierung.“

Dr. Hippach wertete die Zusammenarbeit als wichtigen Beitrag zur Aufklärung. Im Ammerland sei die RDS bislang der einzige Schul-Kooperationspartner. Interessierte weitere Schulen könnten sich aber noch melden, rief er zur Teilnahme auf.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede