BüRGERESCH - Stolz ist man in der Grundschule Bürgeresch auf einen besonders flinken Viertklässler. Der stark sehbehinderte Marvin Berner (10) hat beim „Bundesjugendschreiben“, an dem rund 20 000 junge Menschen aus ganz Deutschland teilnahmen, den ersten Platz in der Altersstufe „unter zwölf“ belegt.

Mit 252 Anschlägen in der Minute schaffte er in seinem Alter bereits mehr als mancher Berufsprofi. „Eine Fachkraft für Bürokommunikation muss in der Prüfung 230 Anschläge schaffen, eine durchschnittliche Büroleistung liegt bei etwa 240 Anschlägen – Marvin ist mit seinen zehn Jahren schon jetzt schneller“, erklärt Hannelore Schindelasch, Präsidentin des Deutschen Stenografenbundes.

Sie und die erste Vorsitzende der Stenografen-Vereinigung Oldenburg „Awesto“, Sylvia Georgiou, überreichten dem Schüler am Mittwoch vor dessen Klassenkameraden die Urkunde und ein kleines Geschenk: Für sein Notebook erhielt Marvin eine externe Tastatur. „Es ist wichtig, dass die Schüler mit einer externen Tastatur das Schreiben lernen. Nur so können sie eine körperschonende Haltung und die richtige Sitzposition einnehmen“, betont Sylvia Georgiou. Sie leitet ehrenamtlich mehrere Kurse für Menschen zwischen zehn und 68 Jahren, an denen auch Marvin teilgenommen hat.

Wegen seiner Sehbehinderung wollte er früh das Tastschreiben erlernen, damit er auch in der Schule mit dem Laptop arbeiten kann. „Meine private Sehbehinderten-Lehrerin hat mir den Tipp gegeben, dass es Awesto gibt. Mir hat das Schreiben sofort sehr viel Spaß gemacht, und letztes Jahr bin ich im Wettbewerb schon Dritter geworden. Dass ich diesmal Bundessieger werde, hätte ich aber nicht gedacht“, freut sich der Grundschüler.

Schulleiterin Birgit Kühme-Jahnke ist begeistert: „Natürlich bin ich stolz, dass wir einen Bundessieger an der Schule haben. Marvin ist ein sehr guter Schüler, und für ihn ist das PC-Schreiben wegen seiner Erkrankung besonders wichtig.“

Nach den Sommerferien wird Marvin auf die Cäcilienschule wechseln. Bis dahin hat er aber noch viel zu tun: „Ich werde in den Ferien meiner Mutter das Tastschreiben beibringen“, erzählt er lachend.