CLOPPENBURG - Am Ende ihrer langen gymnasialen Schullaufbahn haben die frisch gebackenen Abiturienten des Clemens-August-Gymnasiums das Schulgebäude nicht durch die Hintertür verlassen wollen. Zwischen den Nachprüfungen und der heutigen Entlassungsfeier stahlen die Dreizehntklässler zwei Unterrichtsstunden mit ihrem Abistreich.
An diesem Mittwochmorgen haben nur wenige Schüler das Glück, die Schule trockenen Fußes betreten zu können. Eine Hundertschaft kornblumenblaue Pullover tragende Abiturienten wuselt durch und um die Schule herum – ausgestattet mit Wasserpistolen. Im Innenhof begrüßt laute Rockmusik die eintrudelnden Schüler und Lehrer. Um kurz nach acht Uhr haben sich alle im Innenhof versammelt, und die Abiturienten grölen in Anlehnung an Slade „Wir sind bald far, gar away“ von einer Bühne.
Doch den „Auszug aus den Märchenwald“, so das Thema das Streiches, muss sich der Abschlussjahrgang erst noch erkämpfen. Der „König“ des Waldes, Heinrich Hachmöller, sonst auch Direktor der Schule, thront direkt am Spielfeldrand. Bei sieben selbst gewählten Aufgaben treten die Schüler nun gegen ihre Lehrer an. Dabei müssen beispielsweise Murmeln auf Zeit mit einem Strohhalm von einem Wasserglas ins nächste gesaugt werden, was viel leichter aussieht als es ist. Kurz darauf tritt „Zaubermeister Merlin“ alias Physiklehrer Reinhold Haske mit zwei Gehilfen gegen drei seiner „Zauberlehrlinge“ aus seinem ehemaligen Physikleistungskursus an, um eine Gruppe von Schülern schnellstmöglich von einem Ort zum anderen zu „zaubern“.
Vor dem letzten Vergleich steht es drei zu drei. Nun muss der „König“ gegen den schlausten Abiturienten Märchen anhand abstrakter Kurzbeschreibungen erraten. „Übermäßiger Haarwuchs ermöglicht Schäferstündchen“, lautet eine Beschreibung. „Rapunzel“ ruft die Schülerin ins Mikro, das Spiel ist gewonnen. Die Abiturientia darf den „Märchenwald“ verlassen, ohne den „König“ um Gnade bitten zu müssen.
