Cloppenburg - Auch Bewohner mit einer nicht behandelten Alkoholabhängigkeit in ein Altenheim aufzunehmen: Dafür hat der Krankenpfleger und Buchautor Andreas Kutschke am Dienstag beim 33. Tag der Altenpflege zum Thema „Sucht im Alter – unerhört!?“ plädiert. „Wir sind doch dazu da, Menschen zu helfen“, mahnte er in der Cloppenburger Stadthalle mit 350 Teilnehmenden. Gleichzeitig kritisierte er, dass in Konzepten von Altenheimen viele Dinge geregelt seien, dass sich zum Umgang mit dem Thema „Sucht“ hingegen meist nichts fände.

Zu einem kritischen Blick riet der Referent im Hinblick auf die Medikamentengabe bei Heimbewohnern. Manche von ihnen hätten vier behandelnde Ärzte, die jeweils nicht auf die Verordnungen der anderen achten würden. Kutschke: „Knapp 17 Prozent der Pflegebedürftigen bekommen zehn Medikamente oder mehr pro Tag.“ Ab der Einnahme von vier und mehr unterschiedlichen Präparaten sei deren Wechselwirkung nicht mehr berechenbar.

Er habe Bewohner mit 30 Diagnosen erlebt, die im schlimmsten Fall 30 unterschiedliche Medikamente bekämen. Ausdrücklich wies er auf die Folgen der Einnahme von krampflösenden und muskelentspannenden Benzodiazepinen hin. „In meiner Ausbildung sagte die Stationsschwester abends immer zu mir: Nehmen Sie mal den Bauchladen mit den Schlafmitteln und gehen Sie über die Station. Die Leute wissen schon, was sie wollen“, so Kutschke.

Der Umgang mit dem Thema „Alkohol“ bei Altenheimbewohnern sei ein „hochsensibles Thema“. Etwa die Frage, ob der Pfleger einer bettlägerigen Bewohnerin auf deren Wunsch hin eine Flasche Korn kaufen dürfe. Grundsätzlich wiesen zwischen zehn und 14 Prozent aller Bewohner von Altenheimen eine Alkoholdiagnose auf, so Kutschke. Im Falle von Schlafmittelmissbrauch seien Frauen deutlich häufiger betroffen.

Das Problem: Trinken sei grundsätzlich in der Gesellschaft etabliert. Unvorstellbar eine Silvesterparty ohne Alkohol. „Wenn man allerdings zu viel trinkt, ist man nicht mehr beliebt. Und das geht relativ schnell“, warnte der Referent aus Mönchengladbach. Frauen hätten beim Alkoholkonsum etwa im Kölner Karneval deutlich aufgeholt. Kutschke: „Früher schickte sich das nicht.“

Grundsätzlich gelte, dass überhöhter Alkoholkonsum die körperliche Alterung beschleunige. „Auch schadet er jedem Organ.“ Der Rat für Verzehr bei Männern über 65 Jahren liege zwischen 10 und 18 Gramm Alkohol pro Tag, was ein bis zwei Glas Bier entspreche. Für Frauen liege die empfohlene Obergrenze bei 12 Gramm täglich. Zu bedenken sei, dass der Körper den Alkohol mit zunehmenden Jahren schlechter abbauen könne.

Als Tipps zu einer Verhaltensänderung rät er beispielsweise zu zwei alkoholfreien Tagen pro Woche sowie dazu, keine Vorratshaltung anzulegen. Getränke dieser Art sollten weder als Durstlöscher, noch auf nüchternen Magen sowie nicht vor 17 Uhr konsumiert werden.

Sollte eine Pflegekraft Zeichen der Abhängigkeit aufweisen, „muss es auf jeden Fall auf den Tisch.“ Es sei nicht zu verantworten, dass eine solche Person Tabletten austeile.

Dass Sucht jeden treffen kann, darauf hat die Leiterin der Suchtberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Männer in Vechta, Bettina Albrecht, hingewiesen. Gleichzeitig stelle sie eine Krankheit dar, „die zum Stillstand gebracht werden kann“. Im Blick auf eine immer älter werdende Gesellschaft lud sie Altenhilfe ausdrücklich zur Kooperation mit der Suchthilfe ein.

Veranstalter war der Landes-Caritasverband für Oldenburg (LCV) gemeinsam mit dem katholischen Bildungszentrum für Pflegeberufe in Cloppenburg.