CLOPPENBURG - Die Paul-Gerhardt-Schule (PGS) in Cloppenburg darf spätestens 2009 auf eine Mensa hoffen. Möglich wurde das durch einen unerwarteten Meinungsschwenk, den die CDU-/FDP-Gruppe am Montagabend im Schulausschuss vollzogen hat – und damit eine seltene Allianz mit SPD, Grünen und UWG einging.
Unisono schlugen die Parteien Pflöcke ein, auch ohne Förderung aus Hannover – dort ist das Finanzvolumen für derartige Projekte erschöpft – den Bau einer Mensa an der bisher einzigen Ganztags-Grundschule der Stadt in Angriff zu nehmen.
Das derzeitige Provisorium „Essen in den Klassenräumen“ soll schon eher enden. Die Schule nimmt ein Angebot des Pius-Stiftes an, und im kommenden Schuljahr sitzen mittags die Mädchen und Jungen der Klassen 1 bis 4 bei den Rentnerinnen und Rentnern des Pflegeheimes quasi am Nebentisch. 40 bis 50 Kinder sind das täglich, am Dienstag sogar über 100. 11 000 Euro lässt sich das die Stadt kosten.
Gleichwohl ist die Verwaltung von der Politik aufgefordert worden, die Planung für die Mensa voranzutreiben. 50 000 Euro werden dafür in den kommenden Haushalt neben 100 000 Euro als Verpflichtungsermächtigung eingestellt. Nach der endgültigen Kostenermittlung soll der Rest des Geldes 2009 veranschlagt werden. In Rede stand bislang für den reinen Mensabau eine Kostenschätzung von rund 550 000 Euro. Als Zuschuss ist nach der Absage aus Hannover nur ein Drittel der Investitionen aus der Kreisschulbaukasse in Sicht.
Die rund 50 Mütter, Väter, Lehrerinnen und Lehrer der PGS hatten ihrer Schulleiterin, Martina Reichel-Hoffmann, mit Applaus den Rücken gestärkt, die zu Beginn der Sitzung dem Ausschuss noch einmal die Notwendigkeit einer Mensa – nicht zuletzt aufgrund der wichtigen Integrationsarbeit der Schule – in einer Präsentation deutlich gemacht hatte. Das Votum des Ausschusses nahmen die Zuhörerinnen und Zuhörer mit erleichtert wirkenden Mienen zur Kenntnis, denn die Entscheidung war in dieser Klarheit nicht zu erwarten gewesen. Der Finanzdruck, der auf der Stadt lastet, hatten der Verwaltung und CDU-/FDP-Gruppe nur das Ja zum Pius-Angebot mit späterer Analyse der Situation abgerungen. Quasi im letzten Moment hatten sie sich dem Ansinnen von SPD, UWG und Grünen für einen Mensabau angeschlossen. Allerdings setzten die sich mit ihrem Antrag nicht durch, der Verwaltung für die Planung eine Frist bis zum ersten Quartal 2008 zu setzen. Man vertraue auf die zeitnahe Arbeit im Rathaus, hieß es in der
Mehrheitsfraktion.
Die Entscheidung für die Mensa in der PGS mündete gleichwohl in eine Grundsatzdebatte über die Situation in der Stadt insgesamt, die Träger sechs weiterer Grundschulen ist. Es zeichnete sich zumindest ab, dass nicht alle Grundschulen – auch wenn sie die Bedingungen eines Ganztagsangebotes erfüllen – zwangsläufig ebenfalls eine eigene Mensa bekommen. Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese kündigte ein Gesamtkonzept an, das „stimmig für Cloppenburg ist“. Das bedeutet, es könnte zu Verbünden kommen, oder es könnten noch ganz andere Alternativen entwickelt werden.
Wiese wehrte sich im Zuge der Diskussion im Ausschuss gegen Kritik in der Öffentlichkeit, in Cloppenburg werde nicht genug in Bildung investiert. Die Stadt habe in den letzten 15 Jahren 35 Millionen Euro in Schulen und Kindergärten gesteckt. Kaum eine andere Stadt sei derart ausgerüstet. Aber angesichts der Gesamtverantwortung müsse jede wirtschaftliche Lösung erwogen werden.
