CLOPPENBURG - In der russischen Millionenstadt Omsk sind die hiesigen Temperaturen geradezu sommerlich. So gibt es in ganz Sibirien auch nur ein Freibad, und das ist ein kleines Schwimmbecken in einer der vier Universitäten von Omsk. So nutzte Professor Vladimir Razumov die Gunst seines Besuches in Cloppenburg und absolvierte am Dienstag ein kurzes Bad im Surfsee an der Höltinghauser Straße. Die sechs Grad Wassertemperatur konnten auch Wladimir Sterlikow nicht schrecken. Der 40-Jährige, der als Streetworker in Cloppenburg arbeitet, schwamm seinem Philosophie-Professor zur Seite.

Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese und der Politikprofessor Dr. Peter Nitschke von der Universität Vechta dagegen fröstelte bei dem Anblick. Immerhin joggten sie mit Razumov und Sterlikow von der BBS Technik bis zum See – allerdings nicht mit nacktem Oberkörper und barfuß – wie die zwei „Härtebären“ aus Sibirien. Autofahrer honorierten das Auftreten der seltsamen Laufgruppe mit Hupen.

Der sportliche Trip war allerdings eher ein medienwirksamer Abstecher. Der eigentliche Besuch von Razumov und der Sozialwissenschaftlerin Professorin Irina Mavrina, gilt der Doktorarbeit von Sterlikow, der an der Universität in Vechta von Nitschke und der Professorin Rita Stein-Redent begleitet wird. In seiner Arbeit befasst sich der 40-jährige Sterlikow, der bereits seit einigen Jahren in Cloppenburg lebt, schwerpunktmäßig mit der Migration und Remigration. Letzteres bezeichnet russlanddeutsche Rückwanderer, die in Deutschland keine Perspektive sehen und letztlich an einer Integration scheitern. Gründe sind unter anderem die Nichtanerkennung russischer Abschlüsse oder mangelnder Spracherwerb.

Die russischen Wissenschaftler unterzeichneten am Dienstag auch ein Abkommen mit der Universität Vechta, um weitere gemeinsame Projekte in Wissenschaft und Lehre auf den Weg zu bringen. In Sachen Zusammenarbeit hätte die städtische Administration in Omsk zudem gerne die Stadt Cloppenburg im Boot. Denn von dieser Kooperation erhoffen sich die Russen Anregungen und Erfahrungswerte in Sachen Selbstverwaltung und dynamischer Entwicklung einer Kleinstadt. Omsk ist zwar die siebtgrößte Stadt Russlands mit rund 1,2 Millionen Einwohnern, aber die Städte im Bezirk Omsk sind laut Razumov völlig unterentwickelt. So kämen laut einer Studie 80 Prozent der Aussiedler aus dem ländlichen Raum, und für die sei bereits Cloppenburg wie eine Großstadt. Deren Bürgermeister sagte eine Kooperation am Dienstag zu.