CLOPPENBURG - Über den Erfolg von Gesamtschulen im Landkreis Aurich referierte am Dienstagabend Oberstudiendirektor Ulrich Mittelstädt auf Einladung des SPD-Ortsvereins im Wirtshaus zum Löwen in Cloppenburg. „Bei uns in Aurich ist die Gesamtschule ein Renner", sagte Mittelstädt, der 34 Jahre lang eine Gesamtschule in Aurich geleitet hatte. Jedes Jahr müssten mehr als 100 Bewerbern eine Absage erteilt werden.
Von insgesamt 56 Gesamtschulen im Land stünden im Landkreis Aurich alleine sieben. „Und alle arbeiten erfolgreich“, so der pensionierte Pädagoge. Mittelstädt erläuterte die Vorteile: „Eine Gesamtschule ist für gute und schwächere Schüler geeignet." Zudem sei jeder Abschluss möglich, ein Schulwechsel nicht nötig. Es bleibe niemand sitzen und die Schüler würden bis zu Klasse zehn gemeinsam unterrichtet. Bis zu dieser Klasse erhalten die Schüler in jedem Fach ein Zeugnis in schriftlicher Form jeweils zum Halbjahr. In Aurich gebe es an zwei Tagen die Woche Angebote bis 16 Uhr. Besonderer Wert werde auf frühzeitige Berufsbildung gelegt. Bestimmte Klassen gehen zwei Tage in der Woche in Betriebe, um erste berufliche Erfahrungen zu sammeln.
Ortsvorsitzender Dr. Hermann Bergmann machte zu Beginn auf die aktuelle Situation aufmerksam. So plane die Landesregierung eine teilweise Ausgliederung der Hauptschule in die Berufsbildenden Schulen (BBS). Weiter bestehe die Möglichkeit, auch an den Gesamtschulen nach zwölf Jahren das Abitur zu machen. Gymnasien würden zunehmend von Schülern überrannt. Den Anforderungen seien die Schüler oft nur durch Nachhilfe gewachsen. Realschulen würden zunehmend Auffangschule für die Kinder, Hauptschulen seien zu Restschulen verkommen. Die Anmeldezahlen seien so gering, dass die Schulform Hauptschule nicht überleben werde.
Landtagsabgeordnete Renate Geuter (SPD) begrüßte die Bemühungen um eine Gesamtschule im Landkreis Cloppenburg. Seitens des Kreistages ist eine Befragung der Eltern geplant. Besonders unter Berücksichtigung der zurückgehenden Schülerzahlen seien andere Schulformen nötig. „Die Akzeptanz der Hauptschulen hat sich seit 2003 dramatisch verändert“, machte Geuter deutlich. Im Kreis Cloppenburg gehen noch 20 Prozent zu einer Hauptschule. In den Städten sind es nur noch 10 Prozent.
