Cloppenburg - Trotz des Schüler-Protestes an den Berufsbildenden Schulen Technik in Cloppenburg hat der Kreistag nun endgültig den Daumen über die so genannten Sprintklassen gesenkt. Diese liefen seit 2015 als Sprach- und Integrationsprojekt für jugendliche Flüchtlinge und wurden vom Land initiiert und bezahlt. Da die Förderung aus Hannover im Sommer ausgelaufen war, hatte die Kreistagsfraktion Grüne/UWG beantragt, dass der Kreis die Fortsetzung des Projekts finanziell übernehmen solle. Wie berichtet, hatten zudem 50 Schüler, die die BBS Technik Cloppenburg besuchen, am 28. Juni dem Kreis 589 Unterschriften übergeben. Die Unterzeichner forderten die Fortführung der Sprintklassen.

Doch eine Fortführung sah die Kreisverwaltung partout nicht ein: Man könne nicht immer Dinge, die in Hannover angefangen worden seien mit Geldern des Kreises weiterführen, hatte Landrat Johann Wimberg bei einem Pressegespräch erklärt. Einen Tag später folgte diesem Argument auch der Kreistag und lehnte die Anschlussfinanzierung durch den Kreis ab.

Wäre dem Antrag von Grüne/UWG entsprochen worden, hätten jeder der drei BBS im Landkreis – Technik und Museumsdorf in Cloppenburg sowie der BBS in Friesoythe – pro Schuljahr und Klasse 96 000 Euro zur Verfügung gestellt werden müssen. Ausgehend von zwei Klassen pro Schule wären das jährlich 576 000 Euro gewesen.

Die Lücke nach dem Wegfall der Sprintklassen soll das Projekt „Integra“ (Integration in Schule und Ausbildung/Arbeit) füllen, das bereits seit vier Jahren läuft und dessen weitere Bezuschussung durch den Landkreis erst einmal bis 2021 jetzt vom Kreistag beschlossen worden ist. Das Projekt, das vom Caritas-Sozialwerk mit Sitz in Lohne betrieben wird, steht allen Schülern mit Migrationsgeschichte ab 15 Jahren offen: 147 von 391 in Frage kommenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen nutzen es bereits.

Für jeden der drei schon erwähnten BBS-Standorte bezuschusst der Landkreis freiwillig jeweils eine halbe Sozialarbeiter-Stelle – plus drei Stunden wöchentlich für die Projektleitung und zwei Betreuungskräfte (Minijob) für zusätzliche Lern- und Fördergruppen. Dafür stehen 34 269 Euro in 2019, 138 914 Euro in 2020 und 81 033 Euro in 2021 zur Verfügung – also insgesamt 254 216 Euro.

Wie ebenfalls berichtet, wollten die BBS-Technik-Schüler mit ihrem Protest im Juni auch das seit vier Jahren in der schuleigenen Bibliothek bestehende Selbstlern- und Förderzentrum erhalten wissen. Die Verträge der engagierten Betreuungskräfte Angelika Lange und Hayat Duran waren hier ausgelaufen.

Doch eine Chance auf Weiterbeschäftigung dieser beiden Seiteneinsteiger gibt es praktisch nicht: Denn ab dem Schuljahr 2020/2021 – so eine Vorlage der Verwaltung – werden das Berufsvorbereitungsjahr und die Berufseinstiegsklasse zu einer einheitlichen zweistufigen Berufseinstiegsklasse zusammengefasst. Hier sollen nur noch ausgebildete Lehrer eine Sprachförderung durchziehen, die auf zwei Jahre ausgerichtet ist.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland