CLOPPENBURG - Ein komplettes Umdenken im deutschen Bildungswesen: Nicht weniger hat Dr. Peter Wachtel vom Kultusministerium Niedersachsen am Montag auf dem 16. Grundschultag Oldenburger Münsterland im Cloppenburger Kreishaus gefordert. Er warb für die Inklusion behinderter Schüler, bzw. von Schülern mit sozialpädagogischem Förderbedarf in die Regelschule – „eine bunte Vielfalt“ – und mahnte, Schüler nicht mehr in Gruppen einzuteilen, sondern ihre Heterogenität gelten zu lassen.
„Eine Schule für alle – auf dem Weg zur Inklusion“: Dass es das Thema des Grundschultages in sich hatte, belegte nicht zuletzt das große Interesse der mehr als 500 Pädagogen, die Vorträge und 18 verschiedene Workshops besuchten. „Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen“, bilanzierte Hermann Meemken, Mitveranstalter von der Landesschulbehörde.
„Förderschulen und Förderschullehrkräfte bleiben unverzichtbar“, glaubt Franz-Josef Meyer, der im Planungsteam den Grundschultag mit vorbereitet hatte. Er sprach von „Konfusion durch Inklusion?“ angesichts der vielen noch ungeklärten Fragen. Klare Ziele müssten definiert werden, wie das Bildungswesen aussehen solle und mahnte, Schulen und Lehrern Zeit zu geben: Der derzeit an den Tag gelegte Übereifer an Reformen schade nur. Auch die personellen und finanziellen Ressourcen müssten sichergestellt werden.
Gerade in diesem Punkt gibt es Kontroversen. Grundschulklassen, die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen, erhalten zwei Förderschullehrerstunden pro Woche zusätzlich, führte Wachtel aus – zu wenig, lautete die Meinung vieler Lehrer im Auditorium.
Zum Schuljahr 2012/2013 werden keine Schüler in die Primarstufen der Förderschulen Sprache und Lernen mehr aufgenommen, so Dr. Wachtel. Zunächst diese, dann auch die Schüler anderer Förderschul-Formen sollen in Regelschulen unterrichtet werden. Der maßgebliche Elternwille, das Kind auf eine Haupt,- Realschule oder ein Gymnasium zu schicken, könnte laut Wachtel in einer Übergangsphase so gewährleistet werden, dass je Schulform Schwerpunktschulen eingerichtete würden, die dafür ausgerichtet seien. Förderschulen sollten keinesfalls abgeschafft, sondern weiterentwickelt werden.
Wie konkret allerdings die Inklusion in die Grundschulen umgesetzt werden soll, steht noch nicht fest. Die Novellierung des Schulgesetzes wird für März erwartet.
Im Anschluss informierte Professor Dr. Clemens Hillenbrand von der Universität Oldenburg über Wege zur inklusiven Schule. Am Nachmittag bildeten sich die Pädagogen in Workshops etwa zu den Themen Inklusion, Übergang Kindergarten – Grundschule, Ganztagsschule, Ich-Stärkung oder Förderkonzepte fort.
