CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Gedemütigte, demotivierte und aussortierte Kinder in Schulen mit miserablen Zukunftsaussichten wollen Bündnis 90/Die Grünen nicht länger hinnehmen. Deshalb suchen sie nach Verbündeten, um in Niedersachsen die Basisschule zu etablieren, die in Skandinavien ihr Vorbild findet. Ina Korter aus Nordenham, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende, warb für das Projekt am Mittwochabend in einer Veranstaltung des Grünen-Kreisverbandes in Cloppenburg.

Die Basisschule fußt auf Kindertagesstätten mit ganzheitlichem Bildungsauftrag und bedeutet eine neue Lernkultur. Alle Mädchen und Jungen durchlaufen gemeinsam neun Jahre lang die Basisschule als Ganztagsschule in den Eingangs- (1. bis 3. Jahrgang), Mittel- (4. bis 6.) und Abschlussstufen (7. bis 9.). Danach wechseln die Schülerinnen und Schüler in die gymnasiale Oberstufe und die berufliche Bildung. Ein Sitzenbleiben (Korter: „Das kostet Milliarden und bringt nichts“) gibt es in der Basisschule nicht, Leistungsbeurteilungen erfolgen durch Lernentwicklungsberichte, Elterngespräche und Beratungsangebote.

Die Basisschule wird so nach Ansicht von Ex-Lehrerin Ina Korter der Verschiedenartigkeit des Lernens durch gezielte Förderung des selbstständigen Lernens und die individuelle Förderung jedes Kindes gerecht. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur von den Lehrern lernen, sondern gegenseitig in alters- und leistungsgemischten Gruppen. „Die Starken helfen den Schwächeren, die Schnellen den Langsameren, so profitieren alle davon“, begründet die 51-jährige, zweifache Mutter das Konzept. Neben dem Wissen werde so auch Sozialkompetenz vermittelt. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Grünen auch auf eine entsprechend veränderte Lehrerausbildung mit neuen Schwerpunkten, Qualitätsmanagement und -kontrolle der Schule sowie mehr Eigenverantwortung. Wer jedes Kind mitnehmen wolle, die Unterschiedlichkeit anerkenne und nutzen wolle, dürfe Kinder nicht frühzeitig „sortieren“.

Nicht zuletzt deshalb üben die Grünen scharfe Kritik an Kultusminister Busemann (CDU) samt Regierung. Die Abschaffung der Orientierungsstufe hält Korter für einen Kardinalfehler und die Hauptschule für überholt in einer Zeit, in der selbst Realschüler keine Lehrstelle mehr fänden. „Man kann die Hauptschule nicht gesundbeten“, hält die schulpolitische Sprecherin der Grünen einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik für überfällig.