CLOPPENBURG - Uli hängt ziemlich lasch an der Tür im Raum 20 des Bildungswerks Cloppenburg. An Händen, Füßen, Kopf, Bauch und Beinen kleben kleine verdeckte Notizzettel: Auf Zuruf der fünf Kinder, die im Kreis vor Uli sitzen, offenbart Gaby Tapken, was darunter geschrieben steht: Elefant, Tiger, Dinosaurier, Badewanne oder Sonnencreme.

Uli ist eine Papierfigur. Sie dient Gedächtnistrainerin Gaby Tapken zur Veranschaulichung einer Memo-Technik, der so genannten Körperroute-Technik. „So können sich die Kinder bestimmte Begriffe besser merken“, sagt Tapken. Die Kinder verknüpfen mit einem bestimmten Körperteil einen Begriff, etwa: „Ein Dinosaurier liegt einem schwer im Magen“ – ein möglichst verrücktes Bild hilft, den Begriff zu verinnerlichen. Querdenken ist gefordert.

Ganz wissbegierig sind Leon, Marie, Anna, Neele und Benno, bescheinigt Gedächtnistrainerin Gaby Tapken. Zwar müssen sie während des eineinviertel Stunden langen Unterrichts auch mal kleine „Tests“ schreiben. Schule in den Ferien? Daran erinnere ihn der Kursus hier aber gar nicht, sagt der neunjährige Benno.

Nur die Anfangsbuchstaben der Gegenstände merkt Benno sich, als die Gedächtnistrainerin den Kindern zehn unterschiedliche Gegenstände für eine Minute vor Augen führt und sie anschließend verdeckt. So kann er sich an viele Gegenstände erinnern. „Bei dieser Menge kann man sich die Gegenstände noch ohne Technik merken“, sagt Tapken.

Durch den Medieneinfluss würden viele Kinder „unruhig. In diesem Kursus lernen sie, sich besser zu konzentrieren“, erläutert Gaby Tapken einen der Beweggründe dafür, dass zumeist die Eltern ihre Schützlinge zum Bildungswerk schicken. Für Sherlock Holmes wäre diese Übung ein leichtes: Nachdem Leon und Marie aus dem Raum geleitet wurden, müssen sich die übrigen Kinder an sie erinnern – von der Augenfarbe bis hin zu den Schuhen.

Besonders wichtig ist Tapken in diesem zweiwöchigen Kursus auch Bewegung. Tapken: „Wenn der Mensch sich bewegt, kann er Dinge besser abspeichern und ist offen für Neues.“ Mit Bewegung hat auch die vermeintlich leichte erste Aufgabe an diesem Morgen zu tun: Die fünf Kinder sollen bis zehn zählen, während sie sich im Raum bewegen. Allerdings darf jede Zahl nur einmal genannt werden – schwieriger als gedacht, wenn man sich keine Strategie zurechtlegt, stellen die Sieben- bis Zehnjährigen fest. Nach vielen Anläufen klappt es aber auch so.

Schon viel positive Rückmeldungen habe sie erhalten, sagt die zertifizierte Gedächtnistrainerin. Kinder seien konzentrierter und wissenshungriger geworden, so das Urteil der Eltern. So ganz nebenbei hofft der neunjährige Benno, dass mit dem erlernten die Englisch-Vokabeln künftig besser sitzen bleiben. Am besten gefallen ihm aber die Bewegungsspiele.