CLOPPENBURG - „Gibt es überhaupt eine Ganztagsschule für Grundschüler in Cloppenburg?“ Die Leiterin der Ev. Paul-Gerhardt-Grundschule, Martina Reichel-Hoffmann, kann diese Frage nicht mehr hören. Seit drei Jahren bietet die Grundschule an der Wilke-Steding-Straße 8 in Cloppenburg für die Schülerinnen und Schüler einen durchgängigen Unterricht bis 15 Uhr an. Am Anfang für die Klassen drei und vier, mittlerweile für alle vier Jahrgangsstufen.
Auch wenn das Angebot bei einigen immer noch unbekannt sei, mittlerweile habe sich das Konzept der Ganztagsschule etabliert. Von 236 Mädchen und Jungen an der Paul-Gerhardt-Schule würden 126 dieses Angebot wahrnehmen, betont die Schulleiterin.
Von montags bis donnerstags bietet die Schule einen Unterricht bis 15 Uhr an. Nach dem regulären Vormittagsunterricht folgt zunächst das gemeinsame Mittagessen. Anschließend werden die Schülerinnen und Schüler im Förderunterricht oder bei der Hausaufgabenbetreuung individuell betreut. Aber auch gemeinsames Spielen sowie Ruhepausen stehen auf dem Programm.
Für Reichel-Hoffmann ist die Ganztagschule ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem. Denn der Schulerfolg hänge nach wie vor wesentlich vom häuslichen Umfeld ab. „Das Schulsystem geht jedoch immer noch von einer Idealvorstellung zu Hause aus, die es so nicht mehr gibt“, erklärt die Schulleiterin. Vor allem Eltern, die beide berufstätig sind, sowie allein erziehende Mütter und Väter könnten wegen der Doppelbelastung von Familie und Beruf ihren Kindern nicht mehr die notwendige Unterstützung bieten.
Dass die Ganztagsschule auch in der Kreisstadt zunehmend an Bedeutung gewinnt, beweist die aktuelle Schulstatistik: Immer mehr Eltern melden ihre Kinder für die Ganztagsbetreuung an allen vier Tagen an. „Wir sind mit unserer Schule auf dem richtigen Weg“, ist sich Reichel-Hoffmann deshalb sicher.
