CLOPPENBURG - Sechs Tage vor seinem geplanten Rücktritt hat Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) am Donnerstag die Cloppenburger Grundschule St. Augustinus besucht. In der Klasse 4c unterrichtete der 66-Jährige unter den Augen von Rektor Günther Bosse und Klassenlehrerin Birgit Meyer-Focke eine Stunde lang zum Thema Niedersächsisches Wattenmeer.
Für den gebürtigen Golmbacher war die Unterrichtsstunde eine Reise in die Vergangenheit bevor Sander 2003 Umweltminister wurde, war er von 1973 bis 2003 Lehrer und später Rektor an der Grundschule Bevern (Kreis Holzminden) gewesen.
Unter den 19 Schülern der Klasse 4c traf Sander auf Mädchen und Jungen, die durchaus nicht auf den Kopf bzw. auf den Mund gefallen waren. Auf seine Frage, was er denn nach seinem Lehrerberuf geworden sei, antwortete ein Junge schlagfertig: Rentner.
Nachdem Sander erklärt hatte, dass er Minister geworden sei, erklärte er den Schülern, dass dies übersetzt Diener heiße. Sander: Einige Kollegen verwechseln das auch gerne mit Herrscher.
Er gehe betonte Sander immer wieder gerne in die Schulen. Lehrer ist der zweitschönste Beruf nach Landwirt, sagte der staatlich geprüfte Landwirt Sander. Nach einem Arbeitsunfall, bei dem er seinen linken Unterarm verloren hatte, holte Sander das Abitur nach und studierte an der Göttinger Hochschule Lehramt.
Auf seine neunjährige Karriere als Landesminister zurückblickend, meinte Sander: Ich weiß nicht, wie zum Beispiel ein Hans-Dietrich Genscher es ausgehalten hat, 20 Jahre und länger Minister zu sein. Bezogen auf seine teilweise legendären Auftritte im Amt, sagte Sander augenzwinkernd: Was ich zur Unterhaltung beigetragen habe, war nicht eben gering.
Er sprach sich dafür aus, dass Politiker und Minister auch Berufserfahrung nachweisen müssten. Berufspolitiker erzeugten in der Bevölkerung viel Missmut.
Zwischenrufe, SMS, Twittern und Zeitunglesen: Schüler seien in Anstand und Verhalten besser als Politiker im Parlament, meinte Sander.
