CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - „Ist der Kaftan nicht ganz schön heiß zu dieser Jahreszeit?“ Schwester Amaris muss lächeln, wenn sie sich an die ersten Arbeitstage an ihrer neuen Wirkungsstätte erinnert. Neugierige Schüler, die sie mit Fragen löchern, gehören zum Alltag. „Viele haben ja noch nie eine Schwester live erlebt“, weiß die Nonne und hat deshalb großes Verständnis für neugierige Jugendliche.
Am 1. Mai hat Schwester Amaris ihr Referendariat an den beiden Berufsbildenden Schulen (BBS) in Cloppenburg begonnen. An der BBS Technik heißt ihr Fach Angewandte Gestaltung. An der BBS am Museumsdorf lehrt die Nonne Pädagogik und Psychologie an der Fachoberschule, außerdem wird die angehende Lehrerin für den handlungsorientierten Unterricht der Sozialassistenten eingesetzt.
Die Vermittlung von praktischem Wissen wird hier groß geschrieben. Und auf diesem Gebiet kennt Schwester Amaris sich aus. Die ausgebildete Erzieherin hat viele Jahre in Kinderheimen in Bad Oldesloe und Hamburg gearbeitet.
Mit 22 Jahren ist Schwester Amaris dem Orden der Thuiner Franziskanerinnen beigetreten. Warum entscheidet sich eine junge Frau für das Leben einer Nonne? „Ich war immer auf der Suche nach dem Glück“, blickt die heute 41-Jährige zurück. „Dann wurde mir klar, dass für mich Glück bedeutet, mein Leben mit Jesus Christus zu gestalten“, erzählt sie. Es folgte eine dreijährige Ordensausbildung, 1995 band sie sich „auf alle Ewigkeit“ an die Thuiner Franziskanerinnen.
Vier Jahre später trat die Generaloberin mit der Bitte an sie heran, ein Lehramtstudium zu beginnen. „Die Schwestern in den ordenseigenen Schulen in Thuine, Lingen und Osnabrück wurden immer älter. Es wurde Nachwuchs gesucht“, erinnert sich die gebürtige Emsbürenerin. 1999 begann sie in Lüneburg mit dem Lehramt-Studium, parallel belegte sie Seminare, um zusätzlich das Diplom im Fach Sozialpädagogik zu erlangen. „Damit habe ich ein breites Spektrum abgedeckt und bin mannigfaltig einsetzbar“, begründet Schwester Amaris ihre Entscheidung.
Für das Referendariat zog Schwester Amaris nach Cloppenburg und wohnt seitdem im Pius-Stift bei Schwestern ihres Ordens, wo sie mit Handy, Laptop und eigener E-Mail-Adresse manchmal schon „ein wenig Verwirrung stiftet“. Schwester Amaris ist eine moderne Nonne.
„Zuerst war der Gedanke, Lehrerin zu werden, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich hielt Schule immer für ein starres Gebilde“, sagt sie. Dass das keineswegs so sei, davon hat sie sich bereits während mehrerer Praktika, die ihr Studium begleiteten, überzeugt. Heute hat sie Freude an ihrem Beruf und ihren Fächern und wünscht sich, dass diese Begeisterung im Unterricht auf die Schüler überspringt.
Die Befürchtung, dass Schüler sie nicht akzeptieren, die hat sie nicht. „Ich bin von allen Schülern und Lehrern freundlich aufgenommen worden“, erzählt sie, „die Kollegen erklären viel und nehmen uns Referendare gerne mit in ihren Unterricht.“ Keine Selbstverständlichkeit, wie sie von Referendaren anderer Schulen weiß.
Viele Schüler hingegen seien vorsichtig und unsicher oder stellten Fragen, wie der Junge, der Näheres über den Kaftan wissen wollte. Dann gibt Schwester Amaris gerne Auskunft und erklärt, dass der Kaftan ein türkisches Kleidungsstück ist, sie aber ein Ordensgewand trägt. Und unter dem wird es im Sommer schon mal ziemlich warm.
