CLOPPENBURG - Auch in Cloppenburg wurden 1938 die jüdischen Bürger verfolgt, die Synagoge wurde niedergebrannt. An die Tragödie erinnert heute ein Gedenkstein.

Von Sigrid Lünnemann

CLOPPENBURG - Zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, die den Beginn der organisierten Judenverfolgung beschreibt, trafen sich am Sonntag rund 120 Cloppenburger am Gedenkstein der zerstörten Synagoge in der Ritterstraße. Der Stein markiert die Stelle, an der bis zu ihrer Zerstörung durch SA-Männer die jüdische Synagoge stand.

In Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit des Oldenburger Münsterlandes“ bereitet jeweils eine weiterführende Schule der Kreisstadt die jährliche Gedenkfeier vor. Im Laufe des Festaktes wird ein Leuchter als Zeichen des Friedens und der Erinnerung an die nächste Schule weitergereicht. Im vergangenen Jahr stand der Leuchter – gut sichtbar als Mahnung gegen das Vergessen – in der Haupt- und Realschule Pingel Anton/Galgenmoor. Die Schüler der Klasse 10 der Realschule und der Klasse 9 der Hauptschule befassten sich fächerübergreifend mit dem Nationalsozialismus, der Judenverfolgung und dem Holocaust.

Martina Sieverding, Fachleitung katholische Religion, und Ingeborg Willms, Fachleitung evangelische Religion, betonten, dass sich die Schüler engagiert mit dem Thema auseinander gesetzt hätten. Besonders der Besuch der Jüdin Orna Birnbach und ihre erschütternde Lebensgeschichte hätten die Schülerinnen und Schüler tief bewegt und bei vielen den Wunsch geweckt, sich gegen Antisemitismus zu engagieren. Orna Birnbach überlebte als Kind das Konzentrationslager Auschwitz und den Todesmarsch nach Bergen-Belsen, wo sie 1945 befreit wurde.

Zu Beginn der Gedenkfeier erinnerten die Schülerinnen und Schüler an die Reichspogromnacht in Cloppenburg: „Mit einer Kanne Benzin werden Vorhänge getränkt und unter gestapelten Holzbänken entzündet. Feuerwehr und Polizei greifen nicht ein. Schulklassen werden, Hetzlieder singend, zur brennenden Synagoge geführt. Dabei werden Grabsteine des jüdischen Friedhofs umgestürzt“, so Augenzeugenberichte. Pastor Andreas Pauly warnte vor wachsendem Antisemitismus in Deutschland. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Ihr seid das Licht in der Dunkelheit der Welt“, mahnte der Theologe. Der Leuchter wurde anschließend an die Marienschule überreicht.