CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Donnerstag, 10.30 Uhr: Eine Puppe, bekleidet mit einer roten Kappe, einer gelben Jacke und einer grünen Hose steht mit einer Schultasche an der Vahrener Straße in Höhe der Emsstraße. Die Autofahrer, die an diesem Morgen stadteinwärts fahren, treten fast alle auf die Bremse. Glück gehabt, den direkt neben der Puppe steht ein Blitzer der Polizei.

Diese will an diesem Tag aber kein Geld kassieren – nachdem Polizist August Boklage die Pkw auf die nahe gelegene Bushaltestelle geleitet hat, werden die Fahrzeuge von rund 20 Schülern aus der 7b der Hauptschule Pingel-Anton in Empfang genommen. Lob in Form eines Lesezeichens gibt es für Fahrer, die sich an die Geschwindigkeit halten oder sogar darunter bleiben, und eine „Gelbe Karte“ für den Bereich zwischen 50 und 71 km/h. Nur darüber liegende Geschwindigkeiten – so der Verkehrssicherheitsexperte der Polizei, Achim Wach – sollen mit der „vollen Härte des Gesetzes bestraft werden“.

Aber das passiert an diesem Tag nicht. Es mag vielleicht auch daran liegen, dass sich am Straßenrand verdächtig viele Menschen aufhalten. Der ehemalige Stadtbrandmeister Günther Rohde ist ebenso dabei wie DRK-Rettungsdienstleiter Heinz Dierker und der Erste Stadtrat Andreas Krems. Dieser Auflauf lässt die Autofahrer misstrauisch werden.

Das rege Treiben wird unterdessen von gleich drei Kameras festgehalten, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Jugendzentrums „Rote Schule“ geführt werden. Eine Kamera steht direkt bei der Puppe, ein zweite beim Herauswinken und eine dritte schließlich beim Interview der Autofahrer.

„Warum sind Sie so langsam gefahren?“, fragt der zwölfjährige Sergej den Fahrer eines älteren Mercedes, der mit sage und schreibe 27 km/h auf der Vahrener Straße „geblitzt“ worden ist. Dieser zuckt nur mit den Schultern. Er will nicht sagen, dass er wohl durch den Gegenverkehr gewarnt worden ist.

Spitzenreiter ist gegen 11 Uhr der Besitzer einer neuen S-Klasse, der gerade einmal zehn km/h zu schnell war. „Das hätte Sie an anderen Tagen 20 Euro gekostet“, erhebt Polizist Wach den mahnenden Zeigefinger.

Die filmischen Ergebnisse dieser Aktion zur Verkehrsprävention werden im Übrigen am Sonntagnachmittag beim Tag der offenen Tür der „Rescue Days“ präsentiert. Hier schon einmal das Fazit: Insgesamt wurden 84 Pkw angehalten. 54 Fahrer verhielten sich vorbildlich. 30 Autofahrer, die ihre Geschwindigkeit nicht reduziert hatten oder geringfügig zu schnell waren, wurden ermahnt. Die schnellste gemessene Geschwindigkeit betrug 61 km/h.