Cloppenburg - Vom Azubi zum Chef: Für neun Tage übernehmen am St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg die 18 Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege die Leitung in der Station für Geriatrie (Altersheilkunde). Die examinierten Mitarbeiter halten sich nur unterstützend im Hintergrund. 

„Am Anfang hat man sich ein bisschen beobachtet gefühlt, aber als Azubi Aufgaben an die Lehrer zu delegieren, macht schon Spaß“, sagt Clara Sieverding. Die 21-Jährige ist wie die anderen Schülerinnen, der Jahrgang besteht nur aus Frauen, im dritten Lehrjahr an der Schule für Pflegeberufe St. Franziskus. „In der Vorbereitungswoche haben die Schülerinnen gemeinsam den Dienstplan erstellt, und die Abläufe geplant“, informierte Anita Breer, sie ist Lehrerin und betreut das Projekt. Seit fünf Jahren gibt es „Schüler leiten eine Station“ bereits. Auf der Station Geriatrie ist es allerdings eine Premiere.

Ziel des Projekts ist es, dass die Azubis Verantwortung übernehmen und lernen, in einer Gruppe zu funktionieren. Neben der Station im St.-Josefs-Hospital gibt es noch eine im St. Marienhospital Vechta. Die 18 Schülerinnen in Cloppenburg haben sich in Früh-, Spät- und Nachtschichten eingeteilt. Jeder muss mal alles machen. Von Kaffeekochen, über den Patiententransport, Injektionen geben oder Pflegeberichte schreiben, erledigen und koordinieren sie alles alleine.

Von „Zickenkrieg“ ist keine Spur, doch leicht war es dennoch nicht immer. „In meiner ersten Schicht am Dienstag dachte ich noch: Oh Gott, Chaos! Jetzt freue ich mich, dass wir in eine Routine kommen“, sagt Jessica Tellmann (21). Sie ist gerade der „Olaf“. So bezeichnen die Schülerinnen untereinander die Funktion eines Springers, der wie eine helfende Hand fungiert. Inspiriert wurden sie beim Namen durch die gleichnamige Comicfigur im Kinderfilm „Die Eiskönigin“. „,Olaf’ fanden wir witziger als ,Springer’“, sagt Tellmann. Zu Olafs, alias Tellmanns, Aufgaben gehört zum Beispiel Kaffee ausschenken, Essen verteilen oder Blutdruck messen.

„Nach jeder Schicht gibt es eine Reflexion“, sagt Betreuerin Breer. Um den größtmöglichen Nutzen aus dem Projekt zu ziehen, gibt es am Ende (letzter Projekttag ist der 4. März) eine Evaluation. Alle Patienten, Schüler, Mitarbeiter und Lehrer werden zum Projekt befragt.