CLOPPENBURG - Ein König muss er gewesen sein, großmütig und streng, umsichtig und zukunftsorientiert, tolerant und zielstrebig, der Schulleiter der Liebfrauenschule (ULF) in Cloppenburg. Peter Varelmann, der von sich sagt, dass er den Lehrerberuf jederzeit wieder ergreifen würde, ist am Montag in einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet worden.

In seiner zehnjährigen Zeit als Schulleiter habe Varelmann als Amtsperson und Mitmensch ein Netz geknüpft, begann sein Stellvertreter Christoph Grunewald den Reigen der Festredner. Ein Netz könne einsperren, Halt geben, Handlungsspielräume eröffnen. All diese Aspekte der Netze habe Varelmann erfahren und erlebt. „Wichtige Knotenpunkte dieser Netze treten heute an das Rednerpult“, sagte Grunewald und übergab das Mikrofon an den Leiter der Schulabteilung des Bischöflich Münsterschen Offizialats, Professor Dr. Franz Bölsker.

Auch er sprach von einer Zeit, die für Varelmann alles andere als ruhige Verwaltungsarbeit gewesen sei. Dafür habe es viele Veränderungen an den Schulen gegeben, die nicht nur öffentliche Schulen betrafen. Bereits in seiner Zeit als Stellvertreter ging die im Jahre 1878 gegründet Schule vom Orden der Schwestern Unserer Lieben Frau am 1. August 1994 in die Trägerschaft des Offizialats über. Dieses umzusetzen und dabei die Identität der Schule zu bewahren, sei eine wichtige Aufgabe Varelmanns gewesen. Weitere Veränderungen, die zu meistern waren, seien der Umbau der Schule, der Wegfall der Orientierungsstufe, die Oberstufenreform, das Zentralabitur und das um ein Jahr gekürzte Abitur. „Durch einen beständigen Dialog mit dem Kollegium und der Elternschaft hat es Peter Varelmann geschafft, die Liebfrauenschule durch eine wechselvolle Zeit zu führen“, so Bölsker. Mit den besten Wünschen verabschiedete auch Weihbischof Heinrich Timmerevers Varelmann, dem er als Anerkennung für den Dienst an

jungen Menschen das Ehrenkreuz überreichte.

Viel Beifall bekamen die Mitglieder der Theater-AG für „Gänsehaut und Seitenstiche“. Mit witzigen Dialogen boten die Schüler eine „Lehrstunde aus der Mathematik“, frei nach dem Motto „Willst du später einen guten Job ergattern, musst du in der Schule ackern“. Dass sich die 1000 Schüler per Video bei ihrem „König“ verabschiedeten, hinterließ bei Varelmann einen Kloß im Hals und bei den Gästen wunde Hände vom Klatschen.

Varelmann dankte für die wohlwollenden Worte und wünschte der Schule, dass sie weiterhin als Leuchtturm für alle diejenigen gelte, die eine christliche Erziehung bejahen. Ob er seiner Frau nun ein große Hilfe sei, stellte der Ruheständler in Frage.

Nach dem zweiten Staatsexamen 1973 in Meppen unterrichtete Varelmann am Gymnasium Leoninum in Handrup. 1977 wechselte der gebürtige Cappelner ans Clemens-August-Gymnasium in Cloppenburg. Dort trat er 1983 als Koordinator in die Schulleitung ein. 1991 wurde er stellvertretender Schulleiter an der Liebfrauenschule.