CLOPPENBURG - Als Riesenchance der Mitbestimmung sieht Georg Bahl die Installation von Schulvorständen in den niedersächsischen Schulen auf deren Weg zur Eigenverantwortung. Das machte der Elternratsvorsitzende im Kreis Cloppenburg am Freitag zusammen mit Bildungswerk-Direktor Martin Kessens in einem Pressegespräch deutlich.
Im Bildungswerk wurden am Freitag 25 Eltern aus Weser-Ems von der Agentur für Erwachsenenbildung in Hannover zu Elterntrainern geschult. Sieben von ihnen werden im Landkreis aktiv. Sie sollen wiederum als Multiplikatoren die Eltern in den Schulvorständen auf ihre Aufgabe vorbereiten. Rund 200 Eltern erwartet Bahl in den neu zu bildenden Schulvorständen.
Der Schulvorstand ist die erste sichtbare Veränderung auf dem Weg zur eigenverantwortlichen Schule. Er steht künftig als entscheidendes Gremium neben der Gesamtkonferenz und wird mit maximal 16 Personen besetzt. 50 Prozent der Mitglieder stellen die Lehrer, 25 Prozent die Eltern und 25 Prozent die Schüler. Letztere werden für ein Jahr gewählt, die anderen für zwei Jahre. Berater können in begrenztem Umfang, allerdings ohne Stimmrecht, hinzugezogen werden. Eine Kandidatur zum Schulvorstand steht grundsätzlich allen Eltern und Schülern offen. Sollte es bei einer Entscheidung im Vorstand zu einem Patt kommen, spielt der Schulleiter aber das Zünglein an der Waage.
Der Schulvorstand soll künftig beim Profil einer Schule mitentscheidenden Einfluss haben. Deshalb hat er Mitsprache bei gewissen Erlassen oder entscheidet über den Haushaltsplan. Er soll laut Bahl zwar nicht gleich alles umkrempeln, aber zu den Aufgaben des Vorstandes wird auch gehören, den Lehrern und der Schulleitung intern einen Spiegel hinsichtlich ihrer pädagogischen Arbeit vorzuhalten – ähnlich einer Schulinspektion von außen. Denn Schule muss sich zunehmend an ihrem Output messen lassen. Da gilt es für alle Beteiligten, Stärken und Schwächen systematisch zu erkennen, zu analysieren und positive wie negative Erkenntnisse entsprechend abzuarbeiten. Auch auf die Lehrerinnen und Lehrer kommt da nach Einschätzung Bahls ein umwälzender Prozess zu, mit dem sie lernen müssten umzugehen.
Damit möglichst viele Schulvorstände für diesen gemeinsamen Weg gewappnet sind, werden im Herbst Qualifizierungskurse angeboten. Bereits im September wird es vorab Informationsveranstaltungen in Cloppenburg, Friesoythe, Löningen und Ramsloh geben. Die Schüler der Vorstände sind dort allerdings nicht eingebunden. Für sie müsse man andere Ansätze einer adäquaten Qualifizierung finden, sagte der Kreiselternratsvorsitzende, damit sie mitgenommen würden. Ansonsten würde ihre Rolle zur Farce.
