CLOPPENBURG - Die Hoffnung, dass das St. Vincenzhaus in Cloppenburg erhalten bleibt, bestimmte den Informationsabend in der Turnhalle der Förderschule am Mittwochabend. „Die Schulbehörde ist von der Spitzenarbeit, die hier geleistet wird, überzeugt“, berichtete Pfarrer Bernd Strickmann den rund 200 Mitarbeitern, Schülern, Eltern und weiteren Interessierten aus einem Gespräch beim Kultusministerium in Hannover, an dem Vertreter der Stiftung und des Offizialats in Vechta am Mittwoch teilgenommen hatten. Die Quintessenz aus dem Gespräch: Kultusministerium, Stiftung und Offizialat würden alles daran setzen, dass die Einrichtung weitergeführt werden könne, so Strickmann. Allerdings würde „an vielen Stellschrauben“ etwas verändert werden müssen.

Seit sieben Wochen ist Strickmann als Pfarrer der Stadtgemeinde St. Andreas in Cloppenburg tätig. Qua Satzung ist der Pfarrer auch neuer Kuratoriumsvorsitzender unter anderem der Stiftung St. Vincenzhaus. An dieser Regelung werde gearbeitet, kündigte Strickmann ein Resultat der Kühling-Ära an.

„Wir wollen aufzeigen, dass es sich lohnt, gerade für diese Schule zu kämpfen“, hatte die Vorsitzende des Schulelternrates, Martina Buttgereit, die Sitzung eröffnet. In einer Fotoshow demonstrierten zahlreiche Aktionen, Fahrten und Initiativen ein funktionierendes und äußerst dynamisches Schulleben.

„Eine tolle Gemeinschaft“, wie sich gerade in dieser Woche gezeigt habe, sagte Schulleiter Johannes Meyer. Er berichtete von „einem Tsunami“, der nach den Presseveröffentlichungen in der vergangenen Woche über die Schulleitung hergezogen sei. „Das war wohl die intensivste Woche meines Lebens“, so Meyer, der auch viele Solidaritätsbekundungen bekommen hatte. Er skizzierte kurz, dass die Finanzgebaren des ehemaligen Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung St. Vincenzhaus, Alfons Kühling, die Gemeinnützigkeit dieser Stiftung gefährden. Das Stiftungskapital in Höhe von rund fünf Millionen Euro werde zurzeit von einem Treuhänder-Konto vom Offizialat verwaltet. Meyer drängte zur Eile in der Entscheidung spätestens bis Ende Januar. „Die Schule soll und muss auf sicheren Beinen stehen“, so Meyer.

Auch zahlreiche Eltern, die sich in der Sitzung zu Wort meldeten, mahnten zügige Entscheidungen an. Als „beschämend“ wurde kritisiert, das sich bislang kein Politiker für die Einrichtung einsetze. Diese sollten nun angesprochen werden. Aus der Elternschaft wurden auch Befürchtungen laut, dass die „externen Schüler“, die nicht in den Wohngruppen untergebracht sind, als erstes auf andere Schulen umverteilt werden könnten.

Franz Werner, Kuratoriumsmitglied der Stiftung St. Vincenzhaus, zeigte sich „sehr enttäuscht“, dass es nicht gelungen sei, mit Kühling zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Er ist jedoch „zuversichtlich“, dass es mit der Schule weitergehen werde. Unbeantwortet blieb die Frage nach einem „Plan B“, falls die Schule tatsächlich geschlossen würde.

Petitionen, Unterschriftenaktionen, Demonstrationen oder ein Lichtermarsch – wie sich der Schulelternrat weiter für das St. Vincenzhaus stark machen wird, will dieser nun beratschlagen. Eine Mutter mahnte aber auch dazu, Entscheidungen abzuwarten.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)