CLOPPENBURG - Eine positivere Lernkultur in deutschen Schulen forderte nun Professor Dr. Peter Struck in seinem Vortrag „Schule nach Pisa“ im Haus der Erwachsenenbildung. Dabei wiederholte er seine Kritik an der seiner Meinung nach viel zu frühen Trennung der Kinder nach der vierten Grundschulklasse in fast allen Bundesländern. In dieser Frage gebe es aber Bewegung. So habe Hamburg erst kürzlich die sechsjährige Primarschule eingeführt.
Neben dieser „Trennungskultur“ beklagte der renommierte Pädagoge der Universität Hamburg eine allgemeine „Beschämungskultur“ in den Klassenzimmern der Nation. So scheine es vielen Lehrern wichtiger zu sein, Fehler zu suchen und triumphierend in den Vordergrund zu stellen, als die Stärken der Kinder hervorzuheben.
Erkenntnisse in Forschung
Auch werde in der Schule viel zu wenig Rücksicht genommen auf die von der modernen Hirnforschung klar beschriebenen unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Jungen und Mädchen. Während die Mädchen eher beim Zuhören lernten, ließen sich Jungen mehr durch Wettbewerb motivieren. Wie wenig deutsche Schulen den Lernbedürfnissen der Jungen gerecht würden, belegte er mit deren durchweg schlechteren Abschneiden bei Zensuren und Abschlüssen.
Schock nach Pisa-Studie
Hintergrund des Vortrags waren die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie an deutschen Schulen, die 2000 veröffentlicht wurden und in Deutschland zum so genannten „Pisa-Schock“ führten. Unerwartet fand sich das Land in vielen Bildungsbereichen im internationalen Vergleich nur im Mittelmaß wieder, teilweise darunter. Als direkte Reaktion darauf beschlossen die deutschen Kultusminister die Einführung bundesweiter „Bildungsstandards“. Seither wird über die Schule der Zukunft viel diskutiert. Das Interesse an dem Thema dokumentierte auch der Vortrag von Professor Dr. Struck, der das gemischte Publikum drei Stunden lang mit dem Thema fesselte.
