DAMMTOR - Die internationale Diplomatie ist ein schwieriges Parkett – nicht nur die Themen sind kompliziert, auch das richtige Benehmen will gelernt sein. Woher soll ein Nachwuchsdiplomat wissen, dass es in Ordnung ist, bei einer Eröffnungsrede vor den Vereinten Nationen Giovanni Trapattoni mit „Ich habe fertig“ zu zitieren, die Hände des Redners dabei aber auf keinen Fall in den Hosentaschen stecken dürfen?

Solche und andere Details lernten Schüler der Jahrgänge acht bis zwölf der Graf-Anton-Günther-Schule bei der Aktion „Anton geht UN“. Ganz offensichtlich geht es dabei nicht immer völlig ernst zu – obwohl die Veranstaltung für einige Teilnehmer eine Vorbereitung auf die Oldenburg Model United Nations (Olmun) war.

„Das ist das Erfolgsrezept von Olmun und Anton geht UN“, meint die 18-jährige Anna Kokott. „Wir wollen einen wirklichen Erfolg erzielen und Erfahrung sammeln, aber der Spaß spielt auch eine Rolle.“

Die Olmun ist eine große Konferenz, bei der Jugendliche aus vielen europäischen Ländern, aus Asien und den USA alljährlich in Oldenburg eine Versammlung der Vereinten Nationen simulieren. Das gleiche tun die GAG-Schüler auch. Während bei „Anton geht UN“ Deutsch gesprochen wird, ist die Olmun allerdings komplett englischsprachig. „Uns geht es erstmal darum, freies Sprechen vor Leuten und debattieren zu üben“, erklärt der 16-jährige Julian Maskow, den sein Namensschild als Generalsekretär der Versammlung ausweist.

Insgesamt vier Schüler übernehmen die Versammlungsleitung und achten besonders auf die Einhaltung von Regularien. Sie behandeln Fragen und Anträge zur Geschäftsordnung und weisen den Rednern ihre Redezeit zu. Die Themen der Konferenz sind echt und aktuell, es geht um den arabischen Frühling und Desertec, ein Projekt zur Erzeugung von Solarstrom in den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Schüler übernehmen die Rolle von Repräsentanten verschiedener Staaten und vertreten deren Position.

„Aktuelle Themen wie der Konflikt in Syrien bieten sich an, weil sie auch in unserem Alltag präsent sind“, sagt Anna Kokott. Im Saal geht es unterdessen hoch her, der Repräsentant der USA fühlt sich vom Nordkoreanischen Vertreter beleidigt und verlangt eine förmliche Entschuldigung.

Der Betrachter könnte fast glauben, hier wird wirklich gestritten. Viele Teilnehmer haben nicht nur Argumente, sondern auch Sprachstil ihrer Vorbilder verinnerlicht. Ganz ernst bleiben kann der Vertreter Nordkoreas dann aber doch nicht, als er sein Land als einzig wahre Demokratie auf der Welt hervorhebt.