Seit 19 Jahren leitet Corinna Wandel den Kindergarten „Spatzennest“ – umgeben ist sie von einem Frauenteam. Männliche Bezugspersonen sind Mangelware – zum Leidwesen der Erziehungsarbeit, wie die 44-Jährige findet.

Warum gibt es Ihrer Ansicht nach keine männlichen Erzieher?

WandelEs gibt schon welche. Nur eben viel weniger, als weibliche. Das war schon immer so – als ich die Ausbildung gemacht habe, hatten wir zwei Jungs in der Klasse. Und das waren Quereinsteiger.

Die Zeiten haben sich nicht verändert?

WandelLeider nicht. Die klassische Rollenverteilung hat offensichtlich Bestand.

Und in der fühlen sich Männer nicht für Kindererziehung verantwortlich?

WandelWas die der ganz Kleinen betrifft ja. Jugendarbeit ist schon mehr eine männliche Domäne. Oder Lehrer. Aber auch erst ab Grundschule aufwärts.

Haben Sie Hoffnung auf Änderung?

WandelSolange die Bezahlung für Erzieher so schlecht ist, nein. Mit einem Nettogehalt von rund 1000 Euro kann man keine Familie ernähren.

Fehlen Ihnen die Männer im Kindergartenalltag?

WandelMänner spielen anders mit Kindern, das Auftreten ist völlig Unterschiedlich. Wenn unser Hausmeister kommt, wird er sofort belagert. Auch von den Mädchen. Und männliche Praktikanten sind immer die Helden.

Brauchen Kinder männlichen Einfluss?

WandelIch denke schon. Mütter können vieles ausgleichen, aber für die Entwicklung ist es dennoch wichtig. Ich habe einige Mädchen erlebt, die einfach gar nicht gelernt haben, sich adäquat gegenüber Männern zu verhalten.

Inwiefern?

WandelIch habe die Kinder als völlig distanzlos wahrgenommen. Sie haben männliche Besucher richtig belagert. Auch völlig fremde. Dort hat natürlich auch zu Hause ein Vater gefehlt.

Und den brauchen Kinder?

WandelIdealerweise ja.

Suchen Sie gezielt nach männlichen Kollegen?

WandelWir freuen uns immer über Bewerber. Auf zehn Frauen kommt vielleicht einer. Praktikanten nehmen wir immer gerne. Aber natürlich zählen in erster Linie Qualifikationen und Sympathie. Übrigens profitiert auch das Betriebsklima davon. Frauen zicken anders als Männer, stelle ich immer wieder fest.