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Inklusion Der Ingenieur baut mit am Lernerfolg

Rodenkirchen - Peter-Roland Schmidt war als selbstständiger Bauleiter auf der Suche nach einem neuen Auftrag, als ihn ein Lehrer aus seinem Bekanntenkreis mit einem auf den ersten Blick seltsamen Anliegen ansprach. Ob er sich wohl vorstellen könne, einen herzkranken Jungen aus seiner Klasse als Integrationshelfer zu betreuen? Der Bauingenieur aus Brake schluckte, er konnte es sich nicht vorstellen. Doch er sprang über seinen Schatten, und inzwischen ist er seit neun Jahren hauptberuflicher Schulbegleiter.

„Ich fühle mich unheimlich wohl hier“, sagt der 56-Jährige über seinen Arbeitsplatz in der Grundschule Rodenkirchen. Diese Schule betrieb schon Inklusion, als es das Wort in dem Sinne noch gar nicht gab. Als die heutige Rektorin Elke Kuik-Janssen 1995 an die Schule kam, war es schon zwei Jahre her, dass das erste behinderte Kind in den Regelunterricht aufgenommen worden war. Integration hieß das damals, und die Eltern, die sich das für ihre Tochter wünschten, stießen auf offene Ohren.

Auch in Schwei

Die Eltern der Mitschüler stimmten zu, und auch der Lehrer erklärte sich bereit, das Mädchen zu unterrichten. Dazu hätte ihn niemand zwingen können. Eine ähnliche Entwicklung gab es zur gleichen Zeit an der Grundschule Schwei, die auf Wunsch der Eltern einen Jungen mit Down-Syndrom aufnehmen. Seitdem ist Stadland Vorreiter bei der Inklusion.

Peter-Roland Schmidt ist seit Oktober 2006 dabei. Zu Anfang nannte er sich Integrationshelfer, dann Inklusionshelfer und jetzt Schulbegleiter. Auch die Arbeit hat sich etwas geändert. Zu Anfang kümmerte er sich nicht nur um den herzkranken Jungen, sondern bei Bedarf auch um dessen Klassenkameraden. Das ist lange vorbei. Zudem betreut er jetzt zwei Schüler, beide aus der zweiten Klasse. Mehr will er über sie nicht verraten, weil ihre Anonymität gewahrt bleiben soll. Von montags bis freitags ist er jeweils fünf Stunden in der Schule. „Ich kann von dieser Arbeit leben“, sagt er, „ob es andere können, weiß ich nicht.“

Das Pensum bewältigen

Der Junge mit dem Herzfehler wurde immer schwächer, oft musste Peter-Roland Schmidt mit ihm den Unterricht verlassen. Seitdem hat der Schulbegleiter fünf weitere Kinder betreut mit dem Ziel, dass sie stärker werden und das Pensum bestmöglich bewältigen können.

In der ersten Klasse, sagt Elke Kuik-Janssen, ermüden die Inklusionskinder schnell, nicht selten brauchen sie nach zehn Minuten Unterricht eine Pause. Dann sucht Peter-Roland Schmidt mit ihnen die Leseecke mit dem roten und dem blauen Sofa und dem kleinen Aquarium auf. Im Unterricht ist es seine Aufgabe, die Kinder zum Weiterarbeiten zu animieren und ihnen bei der Erschließung des Stoffes zu helfen, etwa indem er ihnen Texte vorliest.

Die Inklusionskinder sind nicht ständig in der Regelklasse, manchmal gehen sie mit ihrer Förderlehrerin in die Förderwerkstatt, die die Schule in einem ehemaligen Klassenraum im Obergeschoss eingerichtet hat. Hier stehen Arbeitstische, Computer und Unterrichtsmaterialien bereit. Schon seit mehr zehn Jahren gehört die Förderlehrerin Monika Oldenburg fest zum Kollegium. Dazu kommt eine weitere Förderlehrerin, die an zwei Tagen pro Woche an der Schule ist. Zusammen mit der Klassenlehrerin und den Betreuungskräften bilden sie ein Team, das sehr flexibel auf die jeweiligen Anforderungen reagiert, wie die Rektorin sagt.

31 Förderstunden

Insgesamt stehen der Schule wöchentlich 31 Förderstunden für 8 Inklusionskinder zur Verfügung. „Wir haben langjährige Erfahrung und wir sind ein großes System, das sind unsere Vorteile“, bilanziert die Rektorin. „Kleinere Systeme haben mehr Schwierigkeiten mit der Inklusion, weil sie weniger Inklusionskinder und damit auch weniger Förderstunden haben. Und auch für Schulen, die neu mit der Inklusion beginnen, ist es schwieriger als für uns.“

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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