Sedelsberg - Der erste Eindruck: Der Mann trägt Karo-Hemd, Igelfrisur und hat einen flotten Schritt drauf. „Gestatten? Ich bin der Neue.“ Der Neue wer? „Na, der neue Schulleiter an der Grundschule in Sedelsberg.“
Nach den Ferien ist es soweit: Dann übernimmt Andreas Pranger. Er ist der Nachfolger von Manfred Nawrath, der 14,5 Jahre die Geschicke der Grundschule leitete, und für den jetzt das Pensionärsdasein beginnt. Doch wer ist eigentlich der Neue, dem die Eltern künftig ihren Nachwuchs anvertrauen?
„Die Zeit war reif“
„Meinen Namen kennen Sie ja. Weitere Angaben: Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet, habe ein Kind und wohne in Peheim“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Danach Pause. „Was möchten Sie noch wissen?“
An Fragen mangelt es nicht. Einiges gäbe es da in Erfahrung zu bringen. Zum Beispiel, warum er sich überhaupt für einen Wechsel entschieden hat. Schulleiter war er schließlich auch schon vorher: An der Grundschule Evenkamp in Löningen. „Ich fand, nach zehn Jahren war die Zeit einfach reif. Ein Kriterium war die Größe der Grundschule“, erklärt Pranger. Doppelte Schülerzahl, zweizügige Klassen in Sedelsberg, das alles habe ihn gereizt. Und klar – das will Andreas Pranger auch gar nicht abstreiten – ist mit dem neuen Job eine höhere Besoldung verbunden.
An seine eigene Schulzeit hat der gebürtige Emsländer übrigens ausschließlich schöne Erinnerungen. „Ich habe eine sehr kleine Schule besucht. Da ging es bisweilen sehr familiär zu.“ Diese Erfahrungen haben ihn geprägt: Bis heute unterrichte er lieber in einer vertrauten Atmosphäre als an einer Schule, „wo über 480 Schüler sind“.
Souverän und routiniert erfolgen die Antworten. So wie man es von einem Pädagogen vielleicht auch erwarten würden. Nur einmal muss der Mann, der bei dem Gespräch so dynamisch auftritt, kurz innehalten. Die Frage, wie er seine Qualitäten als Lehrer einschätze, beantwortet er ausweichend: „Da müssen sie meine Schüler fragen“, sagt er. Und nach kurzer Denkpause: „Mein Ziel ist es, die Kinder auf die weiterführende Schule vorzubereiten.“ Eine große Rolle spielen dabei die modernen Medien, denen er aufgeschlossen gegenübersteht und die er verstärkt in den Unterricht einbinden möchte.
Während seine Kolleginnen eher die emotionale Ebene abdecken, sei sein Stil nach eigenen Angaben eher nüchtern-sachlich ausgerichtet. Traditionell sind an Grundschulen mehr weibliche Lehrkräfte beschäftigt als männliche. Das mag wohl mit den Arbeitsstrukturen zusammenhängen, die als familienfreundlich einzustufen sind. Dass mit seinem Nachfolger noch ein weiterer Lehrer nach den Ferien seinen Dienst an der Grundschule aufnehmen wird, bezeichnet Ex-Schulleiter Nawrath als besonderen Glücksfall. „In einer Familie sind auch immer Mama und Papa ansprechbar. Kinder brauchen männliche Bezugspersonen“, sagt er.
Neustart mit Vorsicht
Manfred Nawraths Schreibtisch ist geräumt. Der Neue muss nur noch Platz nehmen und anfangen. Was stehe denn ganz oben auf seiner Liste der Veränderungen?
Eine gefährliche Frage. Andreas Pranger weiß das und antwortet diplomatisch: „Erst einmal werde ich gucken, wie die Schule und der Ort gestrickt sind, bevor etwas verändert wird.“
Manfred Nawrath, der ihm gegenüber sitzt, hört das sichtlich gerne. Einen Tipp gibt der Ältere dem Jüngeren noch mit auf den Weg: „Wir sind eine gute Schule. Es ist immer empfehlenswert, ein Jahr zu warten“, sagt Nawrath. Sein Soll ist erfüllt. Während Andreas Pranger seinen Urlaub hinter sich hat, kann der vom Ex-Schulleiter jetzt endlich beginnen.
