Brake - „Ohne ein Smartphone hat man keinen Kontakt zu seinen Freunden“, sagt Hekmal Al-Kassou. Er geht in die neunte Klasse des Gymnasiums in Brake und bestätigt mit seiner Aussage die Ansicht vieler seiner Mitschüler.

28 von 30 Schülern geben in seiner Klasse an, ein Smartphone zu besitzen. Die NWZ  wollte nämlich wissen: Ist man heutzutage nur mit einem Smartphone oder teuren Klamotten beliebt?

Die meisten Schüler erhalten eigenen Angaben zufolge ihr erstes Handy im Alter von 14 bis 15 Jahren, manche schon mit zwölf. „Das Alter der Kinder, die ein Smartphone besitzen, beziehungsweise haben wollen, sinkt immer weiter“, erzählt Rolf Schnieders, Bereichsleiter der Jugend- und Familienberatung des Caritas-Verbands Wesermarsch. Diesen Trend bestätigt der Telekommunikationsfachverkäufer Axel Bickerich: „Trotz des meist hohen Preises schreckt es die Jugendlichen nicht ab, sich sofort das Handy der neuesten Generation zu kaufen.“

„Im Alter von elf bis 15 Jahren melden sich die meisten Klienten bei mir“, sagt Anna Katharina Schütte, Psychologin bei der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Arbeiterwohlfahrt (AWo). Ein Smartphone sei unter Schülern notwendig, um sich anzupassen, erklärt sie. „Viele Eltern melden sich bei uns, weil sie merken, dass ihre Kinder sich unter Druck gesetzt fühlen“, erzählt die Psychologin. Ein Auslöser für diesen Druck seien die sozialen Netzwerke.,

„Ohne den aktuellen Verkaufsschlager fühlen sich die Kinder und Jugendlichen ausgeschlossen beziehungsweise ausgegrenzt“, ergänzt Rolf Schnieders von der Caritas. Manche Kinder hätten sogar deshalb schon Diebstähle begangen.

Der Zwang, ein Smartphone besitzen zu müssen, hänge häufig mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammen. Die Kinder würden versuchen, ihr Selbstbewusstsein zu verbessern, da sie teure Handys als Statussymbol sehen. Ein weiteres Problem sei, wenn Eltern kein Geld für teure Handys und Klamotten haben würden, doch sie hätten häufig Angst, ihr Kind auszugrenzen, wenn sie deren Bitte ignorieren würden. „Eine gute Maßnahme gegen diesen Druck ist, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Man hat auch Freunde, die einen ohne ein Mobiltelefon oder teure Klamotten akzeptieren“, rät Psychologin Anna Katharina Schütte.

Die Schüler der neunten Klasse des Gymnasiums sind ähnlicher Auffassung. Ohne ein Smartphone oder teure Klamotten sei man nicht gleich unbeliebt, sagen sie. Nur einer der 30 Schüler gibt an, dass es ihm wichtig sei, teure Klamotten zu tragen. Die anderen erzählen dagegen, dass sie kein ungutes Gefühl hätten, wenn sie keine Markenklamotten tragen würden. „Es ist doch egal aus welchem Laden die Klamotten kommen“, sagte etwa Arne Osterthun.

Allerdings meldeten sich fast alle Schüler auf die Frage, wem es nicht gefallen würde, Kleidung aus einem Laden zu kaufen, der den Ruf eines Billigladens hat.