von ulrich schönborn
Frage:
Die Berufsschulen befürchten sinkende Schülerzahlen. Dabei erfreut sich die BBS Jever derzeit steigender Nachfrage. Wie passt das zusammen?Kruit:
Im Augenblick profitieren wir noch von einer demografischen Spitze. Ein Blick auf die Entwicklung der Geburtenzahlen zeigt aber, dass es damit bald vorbei ist. Schon jetzt schmelzen in den Hauptschulen die Klassen weg, viele sind bereits einzügig. Das gleiche gilt für die Grundschulen. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung die Berufsschulen im Jahr 2013 erreichen wird.Frage:
Welche Berufszweige sind besonders gefährdet?Kruit:
Das ist schwer vorherzusagen und hängt letztendlich davon ab, wie sich die heimische Wirtschaft entwickelt. Wir müssen den Konflikt lösen, auf der einen Seite eine wohnortnahe Beschulung zu gewährleisten und auf der anderen Seite die Kosten zu schultern. Wenn man nur zwei, drei Schüler in einem Ausbildungszweig hat, dann ist es schwer, das Angebot vorzuhalten. Auf der anderen Seite hat die öffentliche Hand die Pflicht, jungen Menschen eine Grundbildung zu ermöglichen. Würde man ganze Berufsfelder wie Metall oder Elektrobau dichtmachen, wäre das eine klare Benachteiligung der jungen Menschen hier in der Region.Frage: Metall und Elektrobau – sind das Beispiele für gefährdete Ausbildungsberufe?Kruit: Im Bauhandwerk sind wir noch stark. Wie gesagt weiß man aber nicht, wie sich das entwickelt.
Frage:
Ein Blick auf die Absolventenzahl zeigt, dass es auch im klassischen Lebensmittelhandwerk wie Bäckerei und Fleischerei immer weniger Auszubildende gibt. . .Kruit:
Das ist richtig. Diese Berufszweige werden an der BBS Jever schon gar nicht mehr beschult.Frage:
Das Land plant, die Berufsschulen in Kompetenzzentren umzuwandeln. Begrüßen Sie diesen Plan?Kruit:
Ja, mit Sicherheit. Die Schulen erhalten dadurch mehr Spielraum und Kompetenz – z. B. bei der Budgetplanung. Wir sind es bereits gewohnt, mit großen Zahlen umzugehen und auch die Gehälter der Lehrkräfte zu verwalten. Man muss aber auch darauf achten, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Da muss in Friesland noch nachgearbeitet werden.Frage:
In welcher Hinsicht?Kruit:
Wichtig ist vor allem, dass wir auf Verwaltungsseite entlastet werden. Das können wir als Schulleitung nicht mehr schultern.Die Berufsschulen in Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven planen mit Blick auf sinkende Schülerzahlen und knappe Kassen eine engere Zusammenarbeit. Fragen dazu an der Leiter der BBS Jever, Dietmar Kruit.
