Nordenham - Plötzliche Dunkelheit am helllichten Tag hat den Menschen früher das Fürchten gelehrt. In der Antike galt das Phänomen der Sonnenfinsternis als unheilvolles Zeichen göttlicher Mächte.
Alte Schriften überliefern, dass das Himmelsereignis Kriege beenden konnte – weil die gegnerischen Truppen aus Angst vor dem Zorn der Götter Frieden schlossen. So berichtete es der griechische Geschichtsschreiber Herodot.
Die Schönheit dieser Naturschauspiele ist jetzt Gegenstand eines Vortrages im Hörsaal des Gymnasiums gewesen, zu dem die Vereinigung der Nordenhamer Sternfreund eingeladen hatte.
Der Mathematiker Prof. Dr. Miloslav Druckmüller und seine Tochter, die Physik-Doktorandin Zdena Druckmüllerová, rückten „die Magie der Sonnenfinsternisse“ in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Der neue Vorsitzende der Sternfreunde, Dr. Hanno Schnars, konnte 31 Gäste zu dem Vortrag im Hörsaal begrüßen.
Die tschechischen Wissenschaftler, die an der Universität von Brünn lehren und forschen, berichteten von der Geschichte der Sonnenfinsternis-Beobachtung, die in den vergangenen 100 Jahren einen rasanten Fortschritt erlebte.
Miloslav Druckmüller hat maßgeblich zu diesem Fortschritt beigetragen. Der auf seinem Gebiet international bekannte Wissenschaftler entwickelte eine mathematische Methode, mit der Bilder einer Sonnenfinsternis mittels eines Computerprogramms so bearbeitet werden können, dass ihre komplexen Strukturen sichtbar werden.
Der extrem hohe Kontrast bei einer auflösenden Finsternis zwischen dem Licht der Sonne und der Dunkelheit des Alls hat die Kapazitäten der Kameras lange überfordert, so dass von der Komplexität des Phänomens in all seinen Facetten auf den Bildern nicht viel zu sehen war.
Das menschliche Auge funktioniere in dieser Hinsicht viel besser, erklärt seine Tochter Zdena Druckmüllerová. Ihr Vater versuchte deshalb, mit Hilfe der Mathematik die Augeneigenschaften bei der Bildbearbeitung zu simulieren.
Während des Vortrages wurden die Zuhörer zu Zuschauern. Vater und Tochter zeigten den Besuchern beeindruckende Aufnahmen und Animationen der Naturspektakel.
So schön die Sonnenfinsternisse sind, so schwer ist es, diese Schönheit in Bildern einzufangen, sagte Miloslav Druckmüller. „Eine harte Wissenschaft“, fügte er hinzu. Er arbeitet in einem internationalem Forscherteam an der Weiterentwicklung der Fotografie dieser Phänomene.
Ihre Beobachtung hat in den vergangenen hundert Jahren eine Vielzahl von Entdeckungen möglich gemacht. 1919 konnten Wissenschaftler anhand einer Sonnenfinsternis die Richtigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie beweisen. Diese Entdeckung machte den jungen Einstein über Nacht auf der ganzen Welt bekannt.
