Cloppenburg - Länger schlafen zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte dafür am Montag freie Hand gegeben. Die Schulleiter in der Stadt Cloppenburg schütteln nur den Kopf – und auch die Ministerin sieht die Unterrichtsverschiebung inzwischen kritisch (siehe Bericht, Seite 5)

„Dieser Sambazug wird an uns vorbeifahren“, kündigte die Direktorin des Clemens-August-Gymnasiums, Annette Ovelgönne-Jansen, am Mittwoch auf Anfrage der NWZ  an. In einem Flächenlandkreis wie Cloppenburg, in dem viele Schüler mit dem Bus zur Schule kämen, sei das schlicht nicht durchführbar.

Auch Andreas Weber, Direktor des Gymnasiums Liebfrauenschule, wird seine Schüler „nicht in den Sambamodus überführen“. Falls Deutschland das Endspiel am 13. Juli, 21 Uhr, in Rio de Janeiro erreiche, könne man noch über eine kurzfristige Regelung nachdenken.

Mit völligem Unverständnis reagierte auch Günter Lübke, Leiter der BBS am Museumsdorf, auf das Angebot. „An unserer Schule werden Schüler der unterschiedlichsten Nationen beschult“, so Lübke. Nach welchen Spielen solle nun später mit dem Unterricht angefangen werden und nach welchen nicht, fragt sich der Direktor der 2832 Schüler umfassenden Einrichtung. Darunter seien 1307 junge Frauen und Männer, die in Teilzeit zur Schule gingen. „Wie sollen wir einen späteren Schulbeginn den Ausbildungsbetrieben gegenüber rechtfertigen“, so Lübke.

Ungerechtigkeiten sieht auch Heinz Ameskamp, Leiter der BBS Technik, an der ebenfalls rund 2800 Schüler unterrichtet werden. „Wenn wir jetzt für eine Fußball-WM eine Ausnahme machen, machen wir sie auch für die Anhänger anderer Sportarten?“

Im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule – so Paul Nienaber von der Oberschule Pingel Anton – müsste er auch die Elternvertreter aus Gesamtkonferenz und Schulvorstand mit ins Boot nehmen. Und auf Grund der ungeklärten Betreuungssituation sei ein positives Votum kaum zu erwarten.

Selbst wenn die Schulleiter dem Angebot von Heiligenstadt allesamt positiv gegenüberständen, würde der Landkreis dem Plan den Garaus machen. Laut einer Kreis-Satzung seien die Stundenpläne den Busfahrplänen anzupassen, erklärte Kreis-Pressesprecher Frank Beumker. Die Schüler würden nach Unterrichtsende im Rahmen der ÖPNV-Beförderung nach Hause gebracht. Hier müsse der bestehende Fahrplan eingehalten werden. „Und aus organisatorischen und finanziellen Gründen werden wir keine zusätzlichen Linien einrichten.“

   

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland