Was kann ich als Elternteil tun, damit die Kindergeburtstage kein Wettkampf werden – Stichwort: höher, schneller, weiter?
Werner FolkersGut wäre es, wenn sich Eltern untereinander vorher verständigen würden und gemeinsam abmachen, wo der gesunde Mittelweg verläuft, was Party und Geschenke anbelangt. Es sollte nicht dazu kommen, dass ein Mega-Event das nächste jagt. Natürlich ist das schwierig für Eltern, aber nicht alle Familien können sich Feiern außer Haus leisten. Das heißt aber nicht, dass die Kinder nicht trotzdem einen schönen Tag haben können. Da hilft es, die Anzahl der Geburtstagsgäste zu begrenzen und dafür zu sorgen, dass man als Erwachsener nicht alleine mit der Kinderschar ist. Vielleicht kann eine Mutter oder ein Vater eines anderen eingeladenen Kindes mit dabei sein und im Laufe des Tages die Gastgeber unterstützen.
Können Eltern denn Kinder mit einer gemütlichen Feier zu Hause überhaupt noch glücklich machen?
FolkersMeiner Erfahrung nach funktioniert das sogar sehr gut. Es kann durchaus positiv sein, wenn solche Veranstaltungen weniger durchgeplant und eher reduziert ausgerichtet werden. In der Regel klappt es super, wenn die Kinder etwas Raum bekommen, auch für sich selbst zu spielen ohne Anweisung. Eltern sollten mehr Mut haben, zu improvisieren. Die Anspruchshaltung, dass alles perfekt werden muss, kommt mehr von den Erwachsenen, seltener von den Kindern selbst. Weniger ist mehr.
Sehen Sie diese Entwicklung zum Durchplanen generell kritisch?
FolkersJa. Es wird zum Teil einfach übertrieben. Mancher Tagesplan eines Kindes ist total überfrachtet, und auch der Vergleich miteinander ist stärker geworden. Eltern sollten sich fragen: Was bieten wir unseren Kindern bewusst? Wo brauchen sie Programm und Förderung? Wo können sie selbst bestimmen? Wenn Kinder zu sehr eingeengt werden in ihren eigenen Entscheidungen, lässt das keinen Spielraum mehr für Ideen. Ich bekomme außerdem einen Trend mit, den ich mit Sorge beobachte: Da werden WhatsApp-Gruppen gegründet, in die die Eltern des Geburtstagskindes Links schicken zu Seiten, auf denen die gewünschten Geschenke bestellt werden sollten. Überraschungen zum Geburtstag werden damit unterbunden. Das finde ich sehr schade.
