Seefeld - Plattdeutsch kann eine Waffe sein. Zum Beispiel, wenn eine Frau auf eigene Faust in einem Linienbus durch Indien fährt und plötzlich von ihrem Nebenmann begrapscht wird. Edith Koschnik musste bei einer ihrer vielen Reisen diese Erfahrung machen; sie stoppte den zudringlichen Zeitgenossen, indem sie ihn auf Plattdeutsch und vor allem laut und deutlich zusammenfaltete.
Rund 50 Gäste
Die Moorriemerin Edith Koschnik eröffnete mit einigen Reiseanekdoten den Reigen der sechs Auftritte bei der alljährlichen Nerd Nite in der Seefelder Mühle. Die Veranstaltung fand am Donnerstagabend erstmals komplett auf Plattdeutsch statt, deshalb hieß sie auch Lütt Avend vull Spleens. Rund 50 Gäste genossen einen informativen, vor allem aber höchst unterhaltsamen Abend.
Ein Nerd ist jemand, der für eine Sache brennt, die andere für abseitig halten. Solche Menschen leben auch in Plattdeutschland, und es gab sie hier schon vor 70 Jahren. Edzard Thaden aus dem Jeverland war so ein Nerd, erzählte sein Sohn Fulko Thaden, Seefelderaußendeich. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte er einen Trecker, und nach dem Krieg fuhr er einen dicken Opel Kapitän. Vor allem hatte er aber ein Windrad mit 8,50 Meter Nabenhöhe, das dem Bauernhof den kompletten Strom liefern musste, schließlich hatte es 10 000 Mark gekostet.
Solange Edzard Thaden die Leihbatterien von der Marine nutzte, war auch alles Butter. Doch als die Seestreitkräfte die Stromspeicher mit der Wiederbewaffnung einkassierten, floss der Strom im Einklang mit der Natur – Lampen, Herd und Melkmaschine liefen nur noch bei Windstärke 3 bis 5 rund. So kam es wohl auch, dass sich die Windenergie damals nicht durchsetzte.
Ein moderner Nerd ist der Tossenser Bernd Bultmann. Der Physiklehrer erklärte, wie „Ebb un Floot“ entstehen – nämlich durch Schwerkraft. Erde und Mond sind ständig in freiem Fall, prallen aber nicht aufeinander, weil sie um die Sonne kreisen. Durch den freien Fall bilden sich an der mondzugewandten und der gegenüberliegen Seite der Erde Flutberge und an den beiden anderen Seiten Ebbtäler. Weil sich die Erde um die eigene Achse dreht, rotiert sie durch die Berge und Täler.
Wo Flöhe hüpfen
Gelegentlich kämpfte Bulti mit verschiedenen Platt-Dialekten, was es ihm schwierig machte, das Wort Dividieren zu übersetzen. Er befand: „Dividieren gifft nicht up Platt.“
Durch das Programm führte Meike Janßen, die unter anderem ihre in Westerstede wohnende Schwester Antje Ulken begrüßte, die Jagderlebnisse in Lappland schilderte. Die Brakerin Gesche Gloystein, Geschäftsführerin des Mühlenvereins, erzählte die Geschichte der Ukulele. Das kleine Saiteninstrument kommt aus Hawaii. Das hawaiianische Wort Ukulele bedeutet „hüpfende Flöhe“.
Einen großartigen Schlusspunkt setzte der Augustgrodener Niklas Köhne mit einem Charleys-Tante-Kabinettsstück: In seinem Elfriede-Kostüm aus dem Burhaver TaTaah-Karneval erzählte er von seinen Erlebnissen beim Deichelfen-Ballett.
