DöTLINGEN - So schön und spannend kann Lernen sein. Wer die Kinder der Klassen 3a und 3b der Grundschule Dötlingen erlebt, spürt die Begeisterung, mit der die Mädchen und Jungen ihr Projekt vorstellen. „Vom Ei zum Schmetterling“ ist seit Wochen die Devise in beiden Klassenräumen und im Schulgarten. Die Fachausdrücke aus der Welt der zarten Flieger haben die Kinder im Gebäude an der Karkbäk, jüngst als Umweltschule ausgezeichnet, allesamt parat. Mit Glanz in den Augen erzählen sie am Mittwoch von Eiern, Raupen, Puppen und dem größten Schmetterling der Welt. Ehe sich der Besucher versieht, holen sie die riesige Karte mit zahllosen Schmetterlingsarten hervor und zeigen auch gleich das größte Exemplar: den Atlasspinner.

Beim Eintritt in die Klasse 3a fällt sofort die Zuchtkiste auf. Der Ehemann von Lehrerin Marion Wilkening hat sie gebastelt. „Die haben sich heute gepaart“, berichtet ein Kind von aktuellen Beobachtungen im Kasten.

Die Lehrerin hatte in England die Distelfalterraupe bestellt samt Spezialfutter. So konnten die Kinder verfolgen, wie aus den Eiern Raupen wurden, wie sie sich verpuppten, schlüpften und zu fliegen begannen. „Die Flügel müssen trocknen. dann können sie nach zwei Stunde fliegen“, so ein Mädchen.

Den Mondfleck versorgen die Naturforscher mit Buchenblättern. Ein Mitschüler hat ihn im Gebüsch gefunden. Eine Schülerin hat gar einen Tagpfauenauge aus einem Schrank gerettet und mitgebracht. Süße Früchte schmecken den Schmetterlingen am besten. Lehrerin Wilkening hat beobachtet: „Wenn wir singen, dann freuen sie sich.“ Die Kinder nicken.

Auch im Klassenraum der 3b fallen die vielen Bücher, oft zu naturwissenschaftlichen Themen, auf. Das hat seinen Grund: In Dötlingen gibt es zu Geburtstagen keine Süßigkeiten, sondern die Eltern spendieren der Klasse ein Buch. Die 3b um Lehrerin Heidi Dittschar hat eine Mondvogelraupe im Terrarium. Am 7. September habe sie sich verpuppt, berichten die Kinder und sind gespannt, wann sie sie wiedersehen. Fürsorglich haben sie zusätzliche Erde hineingelegt, damit es nichts schief geht. Oben liegen die Reste einer Häutung. Die Kapsel ist rund um dem Kopf gewesen, erklärt ein Schüler. „Wir hoffen, dass die Verwandlung klappt“, sagt Dittschar.

Draußen im Schulgarten haben die Kinder sogar die Brennnesseln geschützt. Die Falter mögen sie so gerne, heißt es. Bevor jemand auf die Idee gekommen wäre, das Gewächs vorm Besuch der Bundeskommission „Unser Dorf hat Zukunft“ zu entfernen, wurden das „Unkraut“ mit Stöcken gesichert. Mit dem Mikroskop haben die Schüler zudem die Blätter untersucht.

Im Schmetterlingsbeet haben alle im vergangenen Jahr eine Pflanze einsäen dürfen: vom Ehrenpreis über die Fette Henne bis zum Goldreiter und dem Schmetterlingsbaum. „Alle Kinder wussten im Frühjahr noch, was ihre Pflanzen war“, freut sich Dittschar. Inzwischen stehen kleine Schilder (in Form von Kochlöffeln) mit den Namen der Pflanzen und der Kinder im Beet.

Schließlich lassen die Kinder einige Schmetterlinge frei. Zunächst bleiben die Falter im Glaskasten sitzen. Dann hält ein Junge dem Tier eine Blüte hin: Der „Kleine Fuchs“ krabbelt hinauf, verweilt etwas – und fliegt los.