DöTLINGEN - An der Grundschule Dötlingen haben die Mädchen und Jungen derzeit einen ganz speziellen Lieblingssender, der so gar nicht den üblichen Fernsehgewohnheiten junger Menschen entspricht. Auf drei Seiten sind nur Holzwände zu sehen, die Bilder sind schwarz-grünlich, die Kamera-Einstellung ist immer gleich. Und doch: Dieses Programm fasziniert die Schüler, weiß Schulleiterin Melanie Kahnt zu berichten. Mittels einer infrarottauglichen Minikamera (Webcam) werden nämlich die Bilder aus dem Nistkasten einer Kohlmeisenfamilie live auf den Bildschirm in jedes Klassenzimmer übertragen. Das ist der Renner, so Kahnt. Als Ende vergangener Woche die ersten Küken schlüpften, riefen einige Schüler gar begeistert: Wir werden Eltern.
Das Meisen-TV, wie mancherorts diese Übertragung aus den Nistkästen genannt wird, ist Teil der breit gefächerten Aktivitäten der Schule auf diesem Sektor. Sie hat sich um den Titel der Umweltschule innerhalb des Programms Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule beworben, der von der Landesschulbehörde zusammen mit dem Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) in Schortens vergeben wird. Das ganze Jahre über zählt die Vogelbeobachtung zum Naturkundeunterricht. Rund um das Schulgebäude direkt am Wald ist mit dem Fernglas viel zu entdecken, ebenso im Schulgarten mit Teich, einem anderen Teil der Umweltaktionen. Bei der Winterfütterung der Vögel waren die Schüler ebenso aktiv wie bei der Stunde des Gartenvogels, die der Naturschutzbund ausgerichtet hat. Die Kinder dokumentierten alles, berichtete Kahnt.
Die Webcam im Nistkasten ermöglicht es allen, auf den Bildschirm das Werden und Wachsen der Kohlmeisenfamilie zu verfolgen. Neun Eier lagen im Nest, fünf nackige Babys, schätzt Kahnt, seien geschlüpft. Ganz exakt ist das im tierischen Gedränge im Nest nicht zu erkennen. Der Nachwuchs ist schon über das Wochenende rasant gewachsen, erzählt sie. Kommen die Kohlmeisen mit Futter, dann reißen alle auf einen Schlag die Schnäbel auf. In einigen Wochen bereits werden die ersten Flugversuche folgen.
Mit der Montage der Kamera war es übrigens eine ganz eigene Geschichte. Die vom Förderverein spendierte Webcam wurde ausgerechnet kurz vor dem Einbau in den Holzkasten bei einem Einbruch gestohlen. Ersatz war schwierig zu beschaffen. Daher wurde aus drei Kameras eine zusammengebastelt und gerade noch rechtzeitig vor dem Einzug der Kohlmeisen installiert, erzählte die Schulleiterin. Nur saß die Webcam zunächst nicht richtig im Kasten, so dass die Experten nochmals Hand anlegen mussten. Die Kohlmeisen nahmen es zum Glück so gelassen, wie Dietz Orth, der die Schule bei vogelkundlichen Themen berät, prophezeit hatte.
