DöTLINGEN/WILDESHAUSEN - DÖTLINGEN/WILDESHAUSEN/KRK - Zur Mitgliederversammlung des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) hat es Hans Meinert vor vierzehn Tagen leider nicht geschafft. Stattdessen bekam er gestern Besuch von den Vorständen Ilse Marianne Brose und Johann Strudthoff, die dem Pensionär aus Anlass seiner 50-jährigen Mitgliedschaft einen Blumenstrauß und eine Urkunde überreichten.
Der 85-Jährige, der heute gemeinsam mit seiner Ehefrau Lore im Wildeshauser Seniorenheim Atrium lebt, blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Gleich nach dem Abitur wurde er mit 19 Jahren zum Kriegsdienst einberufen. Er kämpfte an der Ostfront in Russland und war Mitglied des Deutschen Afrika-Korps, bevor er 1943 in englische Gefangenschaft geriet.
Nach dem Krieg absolvierte er ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Oldenburg zum Grund- und Hauptschullehrer. Nach der Heirat mit „seiner Lore“ lehrte er in Brake, Rönnelmoor und Neerstedt. In Rönnelmoor unterrichtete er – heute nicht mehr vorstellbar – 53 Kinder aus acht Jahrgängen in einer einzigen Klasse.
„Ich habe alle Fächer unterrichtet, auch Religion“, sagt der Jubilar. Doch am meisten Spaß habe ihm der Sportunterricht gemacht. Oft hätten ihn die Schüler auch nach seinen Kriegserlebnissen gefragt. „Darüber habe ich aber nicht so gerne gesprochen“, sagt der 85-Jährige, der sich nach dem Krieg einige Dinge geschworen hat: „Nie wieder werde ich ein Gewehr in die Hand nehmen und nie wieder werde ich hinter einer Fahne hermarschieren, habe ich mit gesagt.“
Die letzten Jahre seiner Schullaufbahn verbrachte Hans Meinert als Leiter der Dötlinger Grundschule. Während dieser Zeit widmete er sich auch seinen Hobbys, dem Briefmarkensammeln und der Kunst. Seine Lieblingsmotive sind alte Ikonen. Beim Malen dieser hat er es als gelernter Maler durchaus zur Meisterschaft gebracht, wovon seine Gäste sich überzeugen können. Denn einige seiner Werke hängen noch heute in der gemeinsam mit seiner Frau bewohnten Wohnung im Atrium.
