Friesoythe - Das Thema, über das Dompropst Kurt Schulte am Sonntagabend im Forum am Hansaplatz berichten sollte, geriet für einige Minuten aus dem Fokus: Der Geistliche ging auf die jüngsten Terroranschläge ein: „Unfassbar, dass dies – so die Attentäter – im Namen Gottes geschehen soll.“ Der Dialog der Religionen sei heilige Pflicht nahm Schulte Bezug zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Die katholische Kirche verwerfe jede Diskriminierung und jeden Gewaltakt gegen Menschen. Er rief dazu auf, für Frieden einzutreten.

Zu Beginn des Akademieabends, den das Albertus-Magnus-Gymnasium und der Kulturkreis Bösel-Friesoythe-Saterland seit vielen Jahren gemeinsam veranstalten, hatte AMG-Schulleiter Peter Stelter über den Werdegang des Geistlichen, der in Bösel geboren worden war und am AMG sein Abitur ablegte, berichtet. Organisiert hatte den Akademieabend erneut Hartmud Liebig, der als ehemaliger Politik-Lehrer auch Kurt Schulte unterrichtet hatte.

Ein sperriges Thema interessant aufbereitet – Dompropst Schulte gab bei seinem „Heimspiel“ im Forum am Hansaplatz einen interessanten Einblick in seine Tätigkeit als Offizial und damit Leiter des bischöflichen Gerichtes der Diözesen Münster und Reykjavik. Als dessen Vorsteher sorgt er für eine ordnungsgemäße Rechtsprechung in Stellvertretung der jeweiligen Bischöfe.

„Wo Gemeinschaft, da auch Recht“, sagte Kurt Schulte. Daher gebe es die 1952 Paragrafen im kirchlichen Gesetzbuch, die das kirchliche Leben regeln sollen – wie etwa Eheannullierungen, die einen Großteil der Verfahren an kirchlichen Gerichten ausmachen. Papst Franziskus hatte jüngst die Beweislast für dieses Verfahren deutlich erleichtert, gleichwohl: Die Ehe sei für die Kirche unauflöslich. Bei einer Annullierung schaue sich die Kirche an, welche Bedingungen bestanden hatten, als sich das Paar das Ja-Wort gegeben hatte. Es werde die Frage gestellt, ob eine gültige Ehe zustande gekommen sei.

Aus einem demokratischen Rechtsverständnis heraus sei es schwierig, dem streng hierarchisch organisierten Kirchenrecht zu folgen, gestand Schulte. So etwa im Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht zum Abendmahl zugelassen sind.

Schulte verwies auf das göttliche Recht, dessen Grundlage die heilige Schrift sei. Das sei unveränderbar, es gehöre zur Identität der Kirche, das nicht einmal der Papst auflösen könne. Die Spannung: „Wo müssen wir verändern oder wo müssen wir – entgegengesetzt aller Strömungen und Wünsche unserer Zeit – festhalten an dem, das uns von Gott her geoffenbart wurde.“

Weil sich dieses Recht nicht beugen lasse, seien Veränderungen wie etwa der Umgang mit Homosexuellen schwierig. Veränderungen müssten begründet sein durch neue Erkenntnisse in der Auslegung der heiligen Schrift. Die Deutung sei an das Lehramt gebunden, das dem Papst mit den Bischöfen unterstellt sei.