Neuvrees - So klein und gemütlich die Dorfschule in Neuvrees ist, so war auch der Kreis derer, die am Mittwoch offiziell Abschied nahmen von Schulleiterin Monika Lammers, die nach 37 Jahren an der Grundschule in den Ruhestand ging. Doch Neuvrees wäre nicht Neuvrees, wenn das schon alles gewesen wäre. Schließlich ging mit Lammers nach fast vier Jahrzehnten auch ein Teil der Dorfgeschichte. Und so war am Mittag der ganze Ort auf den Beinen, um der beliebten Lehrerin einen großen Bahnhof zu bereiten.

Draußen vor der Tür standen über 200 Erwachsene und Kinder vor der Grundschule an der Feldstraße. Nachdem Monika Lammers das letzte Mal die Tür hinter sich verschloss, gab es riesigen Beifall, Abschiedsgeschenke, Musik, rote Luftballons, die in die Luft stiegen, und auch die ein oder andere Träne. Nach schier unendlichen Umarmungen und besten Wünschen stiegen Monika Lammers und ihr Mann Werner in eine für sie bereit gestellte Stretch-Limousine, mit der die neue Ruheständlerin ihre letzte berufliche Heimfahrt nach Altenoythe antrat.

„Sie hatte eine besondere Art, alle zu begeistern“, sagte Schuldezernent Jan Heinemann zuvor während des offiziellen Teils des Vormittags. Dabei habe sie immer großen Wert auf eine gute Gemeinschaft gelegt und sei immer mit Augenmaß an Dinge herangegangen. Er erinnerte daran, dass Lammers 1980 direkt nach dem Studium ihre erste Stelle an der Grundschule Neuvrees annahm, nie wieder wechselte und 1997 die Schulleitung übernahm. „Wir danken Ihnen für Ihr Wirken und Engagement“, sagte Heinemann.

„Was Sie geleistet haben, kann man nicht genug würdigen“, sagte Bürgermeister Sven Stratmann. Sie habe viele Kinder auf den Weg gebracht und sie könne mit Freude zurückblicken. Gleichzeitig sei es ein bewegender Tag – für Frau Lammers, die Stadt Friesoythe und Neuvrees. Nicht nur wegen der Abschiedsfeier, sondern auch, weil es gleichzeitig auch der letzte Schultag in Neuvrees war. Die Grundschule bleibt ab diesen Donnerstag für immer geschlossen, da es im Ort zu wenig Kinder gibt.

Wie es zu dieser Entwicklung kam, könne Ortsvorsteher Gerd Bruns auch nicht erklären. Es würden halt die Kinder fehlen. Nun gehe die Ära der Schule zu Ende, was den ganzen Ort sehr bewegen würde. Ebenso bewegend sei der Abschied von der Schulleiterin. „Es ist für uns etwas ganz besonderes, dass du so lange hier warst und die Grundschule und vor allem die Schüler geprägt hast“, so Bruns. Er hob lobend hervor, dass sich Lammers auch abseits der Schule engagiert und sich sehr für den erhalt der plattdeutschen Sprache eingesetzt habe.

Lobende Worte gab es auch von den Elternvertretern. Sie habe für Sicherheit und Geborgenheit gesorgt, habe immer ein offenen Ohr gehabt, sei Trösterin und Ratgeberin gewesen.

„Als ich 1980 gefragt wurde, ob ich hier arbeiten wollte, habe ich nicht gezögert und die Entscheidung nie bereut. Neuvrees ist meine zweite Heimat geworden“, sagte die Altenoytherin. Das Aus der Schule bedaure sie sehr, doch man habe zum Wohle der Kinder entschieden. Dennoch sei es schade, dass ihr Beruf und die Schule ein gleichzeitiges Ende finden.

Die Grundschulkinder hatten während des Festaktes mit Liedern, Gedichten und Sketchen für tolle und berührende Abwechslung gesorgt.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)