Bergedorf - Der 30-jährige Krieg war erst zehn Jahre Geschichte, da ist in Bergedorf im Jahr 1658 bereits von einer „Schule“ die Rede. Ob allerdings viel gelernt wurde, mag bezweifelt werden: In den Klippschulen (zu denen auch die in Bergedorf zählte) hätten die Bauern zu dieser Zeit „irgendeinen Mann, der notdürftig lesen und schreiben konnte“ mit dem Unterricht betraut, welcher dann „in irgendeinem Raume“ stattfand, so schreibt es Hans Grundmann in „1100 Jahre Ganderkesee“ (1960). Über ein Schulgeld, das die Kinder mitbringen mussten, sei der „Lehrer“ kärglich entlohnt worden.
Was da gelehrt werden sollte, schreibt Hermann Mester in seiner Bergedorfer Chronik (1988) übers Jahr 1732: „Der Unterricht begann mit Gesang, Gebet, Vorlesen aus der Bibel. Dann Lesen, Schreiben, Katechismus, Singen. Täglich sieben bis acht Stunden mit Mittagpause.“
1782 ist von einem ersten Schul-Neubau in Bergedorf die Rede. Lehrer Alsweh hatte 80 Schüler zu unterrichten – zeitgleich, versteht sich.
1827 folgte der Schulneubau Nummer zwei, errichtet auf dem Areal des heutigen Kindergartens. Dass das Gebäude bereits 1841 vergrößert wurde, mag angesichts der steigenden Schülerzahlen nachvollziehbar sein: 1855 bestand die (eine) Klasse der Bergedorfer Schüler laut Grundmann aus 93 Kindern.
Das nächste, noch heute existierende Schulgebäude entstand – als Schule Nummer drei – im Jahr 1910. „Die Steine von der alten Schule hat H. Siemer, Everndorf, mit dem Wohnhausneubau verwandt“, berichtet Mester. Sechzig Jahre sollte der Neubau zum Unterricht dienen – bis die Schule 1970 geschlossen wurde. Bergedorfs Schüler werden seither mit dem Bus nach Ganderkesee gefahren.
Doch das Gebäude war nicht lange ungenutzt: 1971 nahm hier ein Spielkreis seinen Betrieb auf. 20 Kinder wurden in der Anfangszeit an drei Tagen in der Woche jeweils drei Stunden lang betreut, wie Karen Becker, Fachdienstleiterin für Kindertagesstätten, berichtet. Die Betreuungszeit sei in den Folgejahren kontinuierlich ausgeweitet worden. Im August 2000 war der Spielkreis bereits an fünf Tagen pro Woche von 8 bis 12 Uhr geöffnet.
2005 wurde aus dem Spielkreis ein Kindergarten. Fortan standen 25 Betreuungsplätze zur Verfügung. Im August 2010 wurden die Zeiten abermals angepasst: Nun war der Kindergarten von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
Einen neuen Namen erhielt das Haus am 13. Juni 2009: „Kinderburg“. Eltern und Kinder hatten zuvor gemeinsam abgestimmt, und der Name wurde beim Sommerfest verkündet. Er prangt noch heute auf einem Holzschild, das Lothar Thelken, der Ehemann der Leiterin Marion Thelken, angefertigt hat.
Neuland wird die Einrichtung am 1. September 2014 beschreiten: Dann wird erstmals eine altersübergreifende Gruppe an den Start gehen. Insgesamt 20 Kinder, davon fünf Krippenkinder, können betreut werden. Während die Plätze für die ganz Kleinen bereits alle vergeben sind, sind für Kinder ab drei Jahren noch vier Plätze frei.
Betreut werden die Kinder von Marion Thelken und durch Daniela Gaebler. Ab 1. September wird zudem eine dritte Kraft ihren Dienst antreten. Sie sei bereits gefunden, teilt Karen Becker mit.
