DüNSEN - Im Geschichtsunterricht stand der „Kalte Krieg“ mit seinen Konstellationen just auf dem Lehrplan. Da passte es für Geschichtslehrer Hans-Peter Oberwandling gut, mit den Zehntklässlern nun auch „Reste des Kalten Krieges“ selbst in Augenschein zu nehmen: Dazu boten am Donnerstag Schulklassenführungen mit Gästeführer Heinfried Sander über das Gelände der ehemaligen Luftmunitionsanstalt Gelegenheit. Mit zwei Klassen – der R10a und R10b der Realschule Harpstedt – erkundete der 64-Jährige per Fahrrad das 155 Hektar große Areal und gab Einblicke in dessen wechselvolle Geschichte. „Es ist ein Punkt, wo Geschichte anfassbar ist“, so Oberwandling.

„Am interessantesten war, dass wir mal in die Gebäude gucken konnten“, bestätigte denn auch Nadine Klitte-Ehlers (R10a): „Ich hatte immer nur was drüber gehört.“ Nicht viel anders ging es Klassenkameradin Manon Wehrmann: Zwar habe sie sich schon häufiger auf dem Gelände umgesehen, doch neu und interessant waren für sie „seine ganze Geschichte“. Ob Wachturm, Stippvisite mit Schalltest in einem Bunker der Amerikaner, ob Eindrücke von einem Bunker mit Toilette als Notunterkunft für vier Familien oder ob das ehemalige, durch Düsenjägerabsturz zerstörte Schullandheim aus den 50er Jahren: „Das war eigentlich alles sehr interessant“, bekräftigte Stefanie Rodowski.

Gästeführer Sander hatte zu vielen Stationen etwas zu erzählen. Er nahm seine jungen Zuhörer mit in die früheste Geschichte des Vorwerks Baßmerhoop (erbaut 1578), erläuterte das Luftmunitionslager mit 100 Bunkern ab 1935, von dem der Name „Muna“ bis heute erhalten blieb, und ging ein auf die Demilitarisierung der Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg bis 1961 war die Muna neue Heimat für viele Flüchtlinge: „1946 lebten hier 144 vertriebene Familien mit insgesamt 554 Personen in den Bunkern“, so Sander. Ende der 1970er Jahre sei das gesamte Gelände wieder als militärischer Bereich abgesperrt worden und wurde genutzt von Bundeswehr, amerikanischen und holländischen Einheiten. Nach Ende des Kalten Krieges begann 1990 wieder eine Demilitarisierung.

Neben der Muna waren bei der Schülerführung ab Harpstedt auch das Wasserwerk und die Waldwirtschaft Thema. Zustande gekommen war die geführte Radtour, nachdem das Harpstedter Gästeführerteam sein Programm auch im Schulzentrum vorgelegt hatte – die Muna als Ziel hatte es Lehrerin Eva Heinke (R10a) besonders angetan.

ist eine öffentliche Gästeführung überschrieben, zu der Heinfried Sander am Sonnabend, 16. Oktober, mitnimmt. Er wird u.a. Interessantes aus der Geschichte der ehemaligen Militärliegenschaft vorstellen. Treffpunkt zu der Radtour ist um 14 Uhr an der Christuskirche Harpstedt. Kosten: 2 Euro pro Person (Kinder bis 14 Jahre frei).