EDEWECHT - Berufstätige Eltern seien darauf angewiesen, dass die Kinder nicht später zur Schule gingen. An der Grundschule gibt es flexible Anfangszeiten.

Von Bernhard Kühne

EDEWECHT - Die Idee, den Schulbeginn auf 8.30 Uhr zu verschieben, damit mehr Eltern mit ihren schulpflichtigen Kindern frühstücken können, findet in Edewecht wenig Anklang. Eine Ausweitung des Ganztagsangebotes sei in Edewecht wichtiger, erklärten einige Eltern- und Lehrervertreter.

„Wir haben an unserer Schule schon seit 15 Jahren flexible Anfangszeiten eingerichtet, die vor allem die Bedürfnisse berufstätiger Eltern berücksichtigen,“ beschreibt der Schulleiter der Halbtagsgrundschule Edewecht, Egbert Kosmis, den Alltag. Für Kosmis erscheint die Initiative, die aus Baden-Württemberg stammt, nicht praxisnah und „nur halb gedacht“. Viele Eltern seien froh, dass sie ihre Kinder schon ab 7.45 Uhr in die Obhut der Grundschule geben könnten. Ein späterer Schulbeginn würde für viele Mütter und Väter zum Betreuungsproblem werden. Daher wäre nach Meinung von Kosmis ein Ganztagsangebot an der Grundschule der richtige Ansatz. Das würde, so der Schulleiter, auch dazu führen, dass das Lehrerkollegium mehr Zeit hätte, die von außen anfallenden Probleme zu lösen. Das Kollegium habe derzeit kaum Möglichkeiten, die Schwierigkeiten ihrer Schüler, die zum Teil in den Familien entstünden, in der Schule ausreichend zu berücksichtigen oder gar zu lösen.

Auf Seiten der Edewechter Elternschaft gibt es ebenfalls Vorbehalte gegen einen späteren Schulbeginn. Anja Rink vom Schulelternrat der Haupt- und Realschule: „Mein Mann und ich sind selbstständig und wir würden theoretisch in den Genuss eines späteren Schulbeginns kommen, um mit unseren Kindern frühstücken zu können. Doch die meisten Eltern sind angestellt und in ihrer Zeiteinteilung nicht so flexibel. Deshalb bin ich nicht für einen späteren Schulbeginn, sondern befürworte eher eine Ganztagsschule, allerdings für alle Schülerinnen und Schüler.“ Damit wäre, so Anja Rink, ein wichtiger Schritt getan in Richtung zur Verbesserung der Chancengleichheit und der sozialen Gerechtigkeit.

Bärbel Dalchau von den Edewechter Tagesmüttern sieht die Problematik ähnlich: „Viele Kinder kommen ohne Frühstück und teilweise noch im Schlafanzug zu uns, da die Eltern früh zur Arbeit müssen“. Ein Trend, der sich in unserer Dienstleistungsgesellschaft verstärken werde.