Nordenham - „Verflixt, ist das lange her!“ „Ach du meine Güte, führt’s hier weit nach oben!“ Für die 78- bis 80-Jährigen, obwohl alle noch recht rüstig, war der Treppenaufstieg bis fast unters Dach, bis zum Kunstraum des Nordenhamer Gymnasiums, doch schon etwas mühsam. Vor 69 Jahren hatten sie als Jungspunde diese Stufen im Gymnasium noch im Schweinsgalopp genommen.

Damals wechselten sie just von den umliegenden Grundschulen in die Klasse 5 des Gymnasiums. „Es waren die letzten Kriegsmonate und manch einer, auch manch ein Lehrer, glaubte damals noch an einen Sieg“, erinnert sich Günter Schwab, den alle früher nur „Seppl“ nannten.

Seine Klasse war damals eine reine Knabenklasse mit 56 Schülern. Doch kaum hatten er und seine Klassenkameraden die erste Schulluft geschnuppert, mussten sie auch schon vorübergehend wieder umziehen und wechselten in den Atenser Kindergarten, da auch ihr Klassenzimmer als Lazarett gebraucht wurde. „Zur Winterzeit mussten wir im Kindergarten dann selbst für Holz und Brikett sorgen. Schulbücher gab’s damals kaum.“

Der Krieg war aus und viele Lehrer kamen aus der Gefangenschaft zurück. „Naber, Fortmann, Wittorf, Pohlmann, Hobbie,“ erinnert sich Günter Schwab, „und ab Klasse 8 dann Dumkow, Kamps und Eissel.“

Nach Klasse 10 wurden die Jungen mit den Mädchen der bis dahin getrennt geführten Mädchenklasse zusammengelegt. Denn von den ehemals 56 Knaben waren nur noch 17 geblieben, von den 18 Mädchen drei.

Klassenlehrer wurde damals der Deutsch- und Geschichtslehrer Fritz Eissel, Klassenraum der wohl kleinste Raum der Schule, eben der ganz hoch unterm Dach, wenige Stufen unter dem Kunstraum.

Genau hierhin entführte sie, den Abitur-Jahrgang 1954, der heutige Direktor des Nordenhamer Gymnasiums, Klaus-Dieter Laske, als sie zu ihrem 60. Jahrestag noch einmal den Tatort ihrer einstigen Schülerstreiche aufsuchten.

„Die Tische hier,“ so erzählte der Schulleiter, „sind noch die Tische aus Ihrer Zeit – natürlich überarbeitet.“ Dieser Kunstraum sei inzwischen der schönste, der charmanteste Raum der Schule – und ihr ganzer Stolz.

Und was ist mit dem ehemaligen Klassenzimmer schräg unterhalb? „Heute ist es ein Lehrerstützpunkt, der Treffpunkt der Fachgruppe Kunst.“

Die Absolventen des Abi-Jahrgangs 1954 und ihre Klassenkameraden aus den Vorjahren trafen sich zum ersten Mal nach 15 Jahren, dann alle 10 und später alle 5 Jahre, jetzt alle zweieinhalb. „Wir werden immer weniger. Da ist es leichter sich abzustimmen,“ überspielt Professor Dr. Bodo Morgenstern mit etwas schmerzlichem Unterton.

Immer ein anderer sei für die Organisation zuständig. In den letzten Jahren habe es Treffen in Weimar, in Göttingen und im Schwarzwald gegeben. Diesmal luden Hans Perczynski und seine Frau nach Oldenburg ein. „Da lag der Besuch des Nordenhamer Gymnasiums natürlich nahe,“ sagt Bodo Morgenstern.

Dadurch, dass Schulleiter Klaus-Dieter Laske überraschend auch noch die Abi-Arbeiten von 1954 mitbrachte und sie sogar zurückgab, hatte sich ihr Kommen natürlich gleich zweimal gelohnt.