Ganderkesee - Nicht jeder, der lesen kann, ist mit dieser Fähigkeit auch in der Lage, es anderen beibringen zu können. Dazu bedarf es vielmehr pädagogischer Begabung, langjähriger Erfahrung – und regelmäßiger Schulung. So wie am Montag im Ganderkeseer Rathaus, wo 18 der aktuell 32 in der Gemeinde aktiven Lesepaten zusammenkamen, um von Anne Möllers und Heide Herbst-Kulfs mehr zu erfahren über den „Leselernprozess.“

Elementare Fragestellungen wollten die beiden Referentinnen von der Akademie für Leseförderung im Seminar behandeln: „Wie kann man motivieren? Und welche Ziele sind realistisch, ohne das Kind zu überfordern?“ Ebenso gehe es darum, sich der Beziehungsstrukturen zwischen Schüler und Mentor bewusst zu werden.

Leseförderung müsse in jedem Einzelfall individuell gestaltet werden, ergänzt Heide Herbst-Kulfs. Der Zeitpunkt, wann ein Kind schulreif sei, variiere zwischen dem fünften und achten Lebensjahr – „eingeschult werden sie aber alle mit sechs“. Dementsprechend unterschiedlich seien auch die Defizite und damit der Förderbedarf, so die Referentin. „Ein leseschwaches Kind braucht mindestens bis zum dritten Schuljahr, oft gar bis zum vierten, ehe es halbwegs lesen kann.“

Wertvolle Unterstützung dabei leisten die ehrenamtlichen Lesepaten, die in Ganderkesee über die Freiwilligen-Agentur „Mach mit“ im Rathaus gesucht und an die Grundschulen vermittelt werden. Sie fördern zwischen zwei und acht Kinder jeweils eine Dreiviertelstunde pro Woche im Einzelunterricht. „Die 1:1-Situation ist von großer Bedeutung“, hebt Referentin Herbst-Kulfs hervor. „In der Gruppe würde das Kind schnell sein Selbstbewusstsein verlieren.“

An der Schulung nahmen langgediente Lesepaten wie Annelie Hirschfelder teil, die schon seit zehn Jahren an der Grundschule Bookholzberg Kindern hilft – „mit immer noch wachsender Begeisterung“. Aber auch noch recht frische ehrenamtliche Kräfte waren vertreten, etwa Cordula Kramer, seit einem Jahr ebenfalls in Bookholzberg tätig. „Zuerst hatte ich Berührungsängste“, erzählte sie, „aber wenn man Vertrauen aufgebaut hat, macht es großen Spaß.“ „Es muss für beide Seiten passen“, meinte Udo Schütte, einer von relativ wenigen Männern in der Runde. „Das Kind muss sich auf die Stunde freuen – und ich auch“

Dass die Lesepaten an ihrer ehrenamtlichen Arbeit noch lange Freude haben, wünscht sich Christa Wachtendorf, die in der Gemeindeverwaltung die Freiwilligenagentur „Mach mit“ betreut. Weitere Helfer seien willkommen, sagte sie. Und sie würden – mit Blick auf die vielen Flüchtlingskinder, die in die Gemeinde kommen – gerade jetzt auch gebraucht.