Wildeshausen - 23 Kerzen leuchten am Freitagabend auf dem Wildeshauser Marktplatz. Schon den ganzen Tag über weht an gleicher Stelle ein Banner: „Sie waren Wildeshauser Bürgerinnen und Bürger“, steht dort zu lesen. Anlässlich der Po­gromnacht des 9. November 1938 gedachten rund 50 Wildeshauser mit einem Erinnerungsgang „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Wildeshausen“ den Opfern des Holocaust. Zum Abschluss las Ingeborg Jacoby vom Präventionsrat der Stadt die Namen der ermordeten Mitbürger vor.

Wie in den Vorjahren war der Erinnerungsgang am jüdischen Friedhof gestartet. Symbolisch werden Steine auf die Grabmale gelegt. Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden fordert, eine Gedenktafel mit den Namen der Wildeshauser Opfer am Rathaus anzubringen.

Sechs Schüler des Jahrgangs 11 am Gymnasium Wildeshausen, begleitet von Lehrer Marcus Hemjeoltmanns, lesen Passagen aus der Vita der Opfer vor. So auch an der Stele in der Huntestraße, wo einst die Synagoge stand. Künstler Carsten Bruhns erläutert, warum er das Kunstwerk gerade so gestaltet hat. Vorletzte Station ist in diesem Jahr der Bahnhof: Dort liest Jacoby aus den Erinnerungen von Hilde Bohnes. Die 86-jährige Wildeshauserin kannte Fritz de Haas. Er wurde mit vielen anderen Familienangehörigen am 18. November 1941 nach Minsk (Weißrussland) deportiert. Dort wurde er am 29. Juli 1942 im Alter von nur 16 Jahren erschossen. Bohnes sei es wichtig, dass die „Stolpersteine“ zum Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft in der Stadt verlegt werden, so Jacoby.