Cloppenburg - Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen bekommt das Clemens-August-Gymnasium (CAG) Cloppenburg seine erste Schulleiterin. Nachdem die Schule am 24. April 1914 noch unter dem Namen „Realprogymnasium für Jungen“ ihre Tore geöffnet hatte, wurde Annette Ovelgönne-Jansen am Mittwoch – fast ein Jahrhundert später – feierlich in ihr Amt eingeführt. Dazu waren 150 Gäste in die CAG-Aula gekommen – Kollegen, Eltern, Schüler, die Rektoren der anderen Cloppenburger Schulen sowie Landrat Hans Eveslage (CDU) und Erster Kreisrat Ludger Frische als Vertreter des Schulträgers.
Wie berichtet, unterrichtet die Studiendirektorin seit 1998 am CAG Englisch und Deutsch und gehört schon seit einigen Jahren dem Schulleitungsteam an. Hier war sie bislang für die Öffentlichkeitsarbeit, alle Fragen zur Sekundarstufe I sowie die Koordination der Jahrgangsstufen fünf und sechs zuständig. Die 48-Jährige hatte sich in einem mehrmonatigen Auswahlverfahren gegen den externen Bewerber Nikolaus Heuer (Laurentius-Siemer-Gymnasium Ramsloh) durchgesetzt und löst nun Günter Kannen ab, der das CAG sieben Monate kommissarisch geleitet hat. Im Sommer 2013 hatte sich der damalige Rektor Heinrich Hachmöller nach Mailand verabschiedet, wo er die Deutsche Schule leitet.
Das CAG – so Kannen – bekomme nach neun männlichen Leitern nun erstmals in seiner Geschichte eine Schuldirektorin. Neulich hätten ihn Vertreter des CAG-Abi-Jahrgangs 1954 bei einem Besuch gefragt, ob Ovelgönne-Jansen „das denn überhaupt kann“. Daran – so Kannen weiter – bestehe kein Zweifel. So hätte auch das gesamte Kollegium die Ernennung Ovelgönne-Jansens ausdrücklich begrüßt.
Landrat Eveslage, der vor 48 Jahren am CAG Abitur gemacht hat, verhehlte nicht, dass sein Herz ganz besonders für diese Schule schlage. Allerdings – so der CDU-Politiker scherzhaft – wolle er Ovelgönne-Jansen nicht wie deren Vor-Vorgänger Hachmöller zehn Jahre lang jährlich eine Million Euro für den Schulausbau genehmigen.
Personalrats-Chef Johannes Schmitz wies dem bisherigen kommissarischen Schulleiter Kannen die Rolle eines „Elder Statesman“ zu, der der neuen Rektorin nun vor allem in der Phase des Übergangs mit Rat und Tat zur Seite stehen könne. Ovelgönne-Jansen müsse als Leitwölfin das Rudel zusammenhalten.
Schulelternrats-Vorsitzender Uwe Hausfeld ermunterte Ovelgönne-Jansen, ihre künftigen Entscheidungen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit Herz und aus dem Bauch heraus zu treffen. „Bleiben Sie Mensch und lassen Sie auch mal Fünf gerade sein.“
Schülervertreterin Frauke Thole bezeichnete die neue Rektorin als ein Vorbild. Diese zeige ihr, „dass ich etwas ausprobieren und wagen soll“. Und genau das solle Schule ja schließlich auch vermitteln.
Ovelgönne-Jansen selbst bezeichnete sich als künftige „Steuerfrau mit Oberkapitänsmütze“, die nun mehr als 100 Kapitäne – sprich Lehrer – auf Kurs halten müsse. Und das gehe nur, wenn alle an einem Strang zögen. „Man darf nicht immer Führungspositionen für Frauen fordern und dann, wenn sich einem selbst die Möglichkeit bietet, zurückziehen.“
