Cloppenburg - Ingrid Lammel weiß genau, was sie beruflich will. Immer schon – das hat sie schlussendlich auch nach Cloppenburg gebracht, an die Liebfrauenschule, ins Lehrkollegium. Knapp 45 Jahre ist es her, dass die brünette Sportlehrerin mit gerade einmal neunzehneinhalb Jahren Schwester Maria Patriza Rave im Schulleiterbüro gegenübersaß und sich vorstellte. Die ehemalige Mädchenschule suchte händeringend Sportlehrer, die begeisterte Sportlerin Ingrid konnte neben dem Abitur eine Ausbildung als staatlich anerkannte Gymnastiklehrerin vorweisen – und bekam den Job.
Eine Lehrerin, die im April auf 45 Jahre Schuldienst zurückblicken kann – „das ist selten“, sagt Andreas Weber, Direktor der Liebfrauenschule. Das schaffe kaum ein Pädagoge. Und das ist auch der Grund, warum Ingrid Lammel – Leiterin der Sammlung Sport – am Freitagmorgen im Zimmer des Direktors sitzt und mit Pressevertretern plaudert. Nicht ganz freiwillig, wie sie schmunzelnd einräumt, denn Lammel steht nicht gern im Rampenlicht, findet das alles „überflüssig“. „Nur Ihnen zuliebe bin ich hier“, sagt sie und knufft Weber in die Seite, bevor sie durchatmet und geduldig alle Fragen beantwortet.
Ihre fehlende akademische Ausbildung hat Lammel mit unzähligen Weiterbildungen wettgemacht. „Es kamen ja immer neue Sportarten wie Volleyball oder Badminton hinzu“, sagt sie. Der Unterricht sei immer vielfältiger geworden, doch gerade das bereitete ihr Freude.
Jede Stunde wurde und wird von ihr intensiv vor- und nachbereitet. Jede Benotung kann sie anhand ihrer Aufzeichnungen belegen, das hat ihr nicht zuletzt den Respekt der Schüler eingebracht. Sie nimmt sich die pädagogische Freiheit, die Kinder und Jugendlichen nach ihren Möglichkeiten zu fördern und zu fordern und im Gespräch mit ihr wird klar: Auf ihre Schützlinge lässt sie nichts kommen! Und definitiv nicht verkommen lässt sie die Umgangsformen, Höflichkeit im Sportunterricht, bloß kein reiner Befehlston, das ist bei ihr eine Selbstverständlichkeit.
Selbstverständlich ist zudem die Tatsache, dass Sport zu ihrem Leben gehört. Heutzutage ein wenig eingeschränkt, ja, aufgrund des Alters, räumt sie ein. Was sie aber nicht davon abhält, Übungen im Sportunterricht vorzumachen. Und als jüngst Rock’n’Roll auf dem Stundenplan einer Klasse stand, zeigte sie, wie’s geht. Kein Wunder, Tanzen gehört zu ihren großen Leidenschaften.
Dass sie 45 Jahre durchgängig an der Liebfrauenschule unterrichtet hat, „liegt an der wunderbaren Gemeinschaft“, schwärmt sie. Schüler, Eltern, Kollegen, das alles sei stimmig und habe dazu geführt, dass sie „lukrative Angebote“ anderer Schulen ausgeschlagen habe und an der katholischen Einrichtung geblieben sei – als Protestantin. „Denn ich war und bin evangelisch“, sagt sie und lacht.
Das Pressegespräch endet kurz nach dem Pausengong. Auf dem Flur stehen die Schüler umher und quatschen. Nebenbei auf den Unterricht von Ingrid Lammel angesprochen, kassiert man ein wohlwollendes Lächeln. „Die ist gut, die kann was“, sagen zwei 14-Jährige unisono. Ein Lob von Teenagern – das spricht wohl für sich.
