Wildeshausen - In ganz Niedersachsen gibt es rund 210 jüdische Friedhöfe. Einer davon ist in Wildeshausen und hat seit Montagnachmittag einen Paten. Bodo Riethmüller, Vertreter der jüdischen Gemeinden, überreichte Realschulleiter Jan Pössel zum Dank für die Zusammenarbeit zwei Bücher über den Holocaust und den Friedhofsschlüssel.
„Die Tür steht Ihnen jederzeit offen“, erklärte Riethmüller, „außer jedoch an den hohen jüdischen Feiertagen“. Damit Lehrer, Schülerinnen und Schüler diese auch erkennen, überreichte Riethmüller noch einen jüdischen Kalender mit allen Feiertagen.
„Der Ausgangspunkt für die Patenschaft liegt bereits zweieinhalb Jahre zurück“, erklärt Pössel. Den letzten Anstoß gab jedoch die Holocaust-Ausstellung der neunten Klassen, die auch im Stadthaus zu sehen war und positive Resonanz hervorrief. „Die Schüler haben sich intensiv mit dem Thema Holocaust auseinandergesetzt und waren mit großem Engagement bei der Sache“, lobte Pössel. Kurz darauf meldete sich Riethmüller, selber Wildeshauser, bei dem Schulleiter und sprach ihn auf die Patenschaft an.
„Wir möchten mit der Patenschaft auch ein Zeichen setzen, dass Institutionen Verantwortung übernehmen und wir nicht wegschauen. Hauptsächlich geht es uns aber um die einvernehmliche Zusammenarbeit ohne Zwang“, betont Pössel. Die jüngsten Vandalismusvorfälle seien jedoch nicht ausschlaggebend für die Partnerschaft gewesen. „Heute ist etwas gegründet worden, was vorher keine Schule gewagt hat und das nur im Einvernehmen beider Seiten entstehen kann. Ich werde die Patenschaft als Bindeglied zwischen Schule und dem jüdischen Landesverband begleiten“, betonte Riethmüller. Genutzt werden soll der jüdische Friedhof vor allem für die aktive Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse.
Aktiv beteiligen sich bislang vier Lehrer der Realschule: Christian Langfermann, Stephanie Schoe, Marcus Schwoll und Maria Brackmann. Andere Dozenten hätten aber bereits ihr Interesse bekundet. „Schüler lernen immer besser, wenn sie Bilder vor Augen haben“, so Pössel. „Durch das Mitwirken an der Holocaust-Ausstellung haben wir viel über das Judentum gelernt“, sagt Nele Baalmann aus der Klasse 10a. „Wir möchten helfen, wo es geht“, so die Schülerin.
