Betrifft:
„Schulabbrecher-Quote katastrophal“ (NWZ vom 24. Mai)„Die Bildung unserer Kinder ist der wichtigste Rohstoff dieses Landes!“ Welche Politikerrede schmückt dieser Satz nicht? Und weil Politiker immer tun was sie sagen, legen sie sich auch tüchtig ins Zeug, wenn es um Alarmzeichen bei der Bildung geht. Die Praktiker in den Schulen zu Rate ziehen, sich des wissenschaftlichen Sachverstandes bedienen, Schulen mit anderen Einrichtungen vernetzen – man kann es nur begrüßen, wenn die Verantwortlichen im Landkreis der hohen Schulabbrecherquote so konzertiert zu Leibe rücken. Fahrlässig jedoch ist es, dabei die Schulentwicklung seit Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts unbeachtet zu lassen.Gekürzter Unterricht, vergrößerte Klassen, mehr leisten müssen – das ist der Beitrag der Kinder zu den Kostensenkungsprogrammen der Landesregierungen. Die Eltern bezahlen wieder die Schulbücher, müssen auf Integrationsschulen und Fördermaßnahmen für ihre Kinder verzichten und bekommen Ganztagsschulen angeboten, die den Namen nicht verdienen. Die Lehrer tragen durch längere Arbeitszeit, Einkommenskürzungen und mehr privat organisierte Fortbildung zur Kostensenkung bei. Und auch der Schulträger muss sehen, wie er mit weniger Geld den Schülertransport und den Unterhalt der Schulen organisiert. (...) Wie sehr diese Kostensenkungsprogramme dem öffentlichen Schulwesen zugesetzt haben, wird deutlich, wenn man auch andere Formen von „Schulabbrechertum“ in Friesland in den Blick nimmt. Die stetig steigende Zahl der Kinder mit Förderbedarf, das Aufblühen des Nachhilfemarktes und der Drang zum Privatgymnasium in Jaderberg und zur Gesamtschule in Wilhelmshaven signalisieren ebenfalls mangelnde
Qualität. Frau Evers-Meyer ist unbedingt zuzustimmen: Eine entscheidende Verbesserung der schulischen Bildungs- und Betreuungssituation ist zu fordern! (...)
Hans-Günter PiewekGewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Varel
