EINSWARDEN - Viele Probleme konnten durch die Nachmittags-Betreuung gelöst werden. Frei von Problemen ist der Luisenhof dadurch keineswegs.
von henning bielefeld
EINSWARDEN - Vor zehn Jahren waren sie Pioniere. Damals führten Lehrer und Eltern Am Luisenhof die offene Ganztagsschule ein – als eine der ersten Schulen in Niedersachsen. „Wir waren vom ersten Tag an auf dem richtigen Weg“, resümierten die Schulleiter Wilfried Batschat und Wolfgang Battenberg gestern nicht ohne Stolz.Wie so oft bei großen Veränderungen, stand am Beginn ein übergroßer Leidensdruck. Schüler aller Altersstufen, vor allem Achtklässler, tobten ihre Zerstörungswut an fremden Gütern aus und betätigten sich als Kleinkriminelle. Im Mittelpunkt standen Banden ausländischer Jugendlicher, zu denen solche aus osteuropäischen Übersiedlern kamen. „Wir hatten zwei, drei, vier Klassenkonferenzen pro Woche“, erinnert sich Wolfgang Battenberg.
Im Herbst 1995 nahmen sich Batschat und Battenberg ein Wochenende Auszeit – und die Idee der Ganztagsschule war geboren. Die Schüler sollten auch am Nachmittag sinnvoll beschäftigt werden und etwas für ihre Zukunft tun – und nicht dagegen. Die Lehrer wurden überzeugt, die Eltern gewonnen – und der damalige Landrat Udo Zempel (SPD) leistete im Hintergrund so wichtige Dienste, dass er heute noch Ehrenmitglied im Lehrerkollegium Am Luisenhof ist.
Zempel begeisterte den damaligen Kultusminister Rolf Wernstedt für die Idee und brachte auch Ministerpräsident Gerhard Schröder auf die Seite des Luisenhofs. Schon mit Beginn des Schuljahres 1996/97 begann die offene Ganztagsschule. Offen heißt freiwillig – und freiwillig besuchen seitdem rund 90 Prozent der Schüler von montags bis donnerstags auch nachmittags die Schule. Lehrerstunden wurden ausgeweitet, Geld zur Verfügung gestellt – eine fast paradiesische Situation für eine eben noch verzweifelte Schule.
Lehrer leiten nachmittags Arbeitsgemeinschaften, vertiefen spielerisch Unterrichtsinhalte, bieten Förderunterricht, lernen ihre Schüler von einer anderen Seite kennen und bauen mehr Vertrauen auf. Sozialarbeiter nahmen ihren Dienst auf – damals Jeanette Wöhrmann, heute Silvia Bork im Haupthaus und Susanne Hansen in der Außenstelle FAH. Sie üben mit den Schülern Streitschlichtung und helfen den Eltern bei Problemen. Auch das Jugendamt unterstützt, und die Polizei stellt in Lars Büsing einen Schulberater, der bei Problemen mit Kriminalität sofort aktiv wird.
„Die Lernatmosphäre ist deutlich besser geworden – und das hat auch zu besserem Lernen geführt“, sagt Wolfgang Battenberg. So habe seine Realschule immer überdurchschnittlich viele qualifizierte Abschlüsse gehabt. In diesem Jahr ist das anders. „Rückschläge gibt es immer“, sagt Battenberg. Batschat ist froh, dass jeder zweite Zehntklässler in seiner Hauptschule einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat. „Angesichts der Qualifikation der Schüler müssten es mehr sein, aber der Verdrängungswettbewerb mit den Realschülern ist sehr stark“, sagt Batschat.
Probleme macht der Ganztagsschule, dass sie aus zwei Häusern besteht. Es bedarf schon einiger Verrenkungen, um überall ausreichend AGs anbieten zu können. Zudem fließen die öffentlichen Zuschüsse nicht mehr so reichlich. Das ist vor allem angesichts wachsender Armut ein Problem, das die beiden Schulleiter umtreibt. Einige Eltern, sagen sie, können für ihre Kinder nicht mehr das Mittagessen in der Mensa bezahlen – und der Sozialfonds der Schule sei leer.
Damit nicht genug: „Die Klientel, die wir bedienen, wird schwieriger“, sagt Batschat. „Das Kollegium ist stark gefordert. Die Lehrer gehen bis an ihre Grenzen.“
eine hauptschule für die ganze stadt
Nicht nur aus dem Stadtnorden
besuchen Schüler die Hauptschule Am Luisenhof. Als einzige Ganztags-Hauptschule in der Stadt steht sie allen Hauptschülern offen. Bei der Realschule Am Luisenhof ist das anders, denn auch die Realschule Pestalozzistraße macht ein Ganztagsangebot.„Die Lehrer
gehen bis an
ihre Grenzen
wilfried Batschat
