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Gewaltprävention Wie ein Polizist die Schüler stark macht

Jens Milde

EINSWARDEN - Zwei Jugendlichen bedrohen einen Mitschüler. Sie wollen ihm das Handy abzocken. Ein anderer beobachtet die Situation, möchte helfen, aber traut sich nicht. Allzu oft wird weggeschaut, wenn es anderen an den Kragen geht. Aber es gibt Möglichkeiten zu helfen, ohne sich in große Gefahr zu begeben. Edwin Krüger, Präventionsbeauftragter der Polizeiinspektion Cuxhaven-Wesermarsch, zeigt sie auf. In diesen Tagen arbeitet er im Kinder- und Jugendhaus in Einswarden mit Siebtklässlern der Luisenhofschule zusammen. Das Projekt mit dem plakativen Titel „Wir sind stark“ bietet der Polizist an Schulen im ganzen Landkreis an.

Leute ansprechen

Betül Belanik hat gelernt, was sie tun kann, wenn andere bedroht werden. „Sich umschauen und gezielt Leute ansprechen, die mithelfen können.“ Das Thema Zivilcourage ist nur eines von vielen, über das Edwin Krüger mit den Jugendlichen spricht. Es geht um das Erkennen von Unrecht. Und besonders wichtig ist es ihm und den Lehrern der Luisenhofschule, die Klassengemeinschaften zu stärken.

Gewaltprävention ist ein wichtiges Thema an der Luisenhofschule. „Wir sind eine ganz normale Schule, alle Probleme, die es in der Gesellschaft gibt, die gibt es auch bei uns“, sagt der Leiter der Luisenhof-Hauptschule, Wilfried Batschat. Ganz wichtig ist dem Schulleiter die Kooperation mit der Polizei. Darauf weist auch Edwin Krüger hin. Nach seinen Worten ist die Akzeptanz nicht immer gegeben. Manchmal werde die Polizei schon von Kindern als Gegner wahrgenommen. „Aber wir sind nicht die Bösen, wir sind die Guten, die Partner“, sagt Edwin Krüger. Der Präventionsbeauftragte gibt sich im Kreise der Schüler als Polizist zum Anfassen. Und das kommt bei den Jugendlichen gut an.

Sozialtraining in Klasse fünf

Das Projekt „Wir sind stark“, das ursprünglich unter dem Titel „Zammgrauft“ in Bayern entwickelt wurde, ist nur ein Mosaiksteinchen im Präventionsprogramm der Luisenhofschule, wie die dort tätige Sozialpädagogin Silvia Bork betont. Bereits die fünften Klassen nehmen an einem Sozialtraining teil.

Zum weiten Feld des Sozialtrainings gehören auch die verschiedenen Übungen, in denen das gegenseitige Vertrauen gestärkt wird: Ein Schüler stellt sich in die Mitte, macht sich steif und lässt sich wie ein Pendel hin- und herfallen – im Vertrauen, dass er von seinen Mitschülern aufgefangen wird, die sich im Kreis um ihn herum versammelt haben.

Auch in einer anderen Übung geht’s ums Fallenlassen. Tessa Mankopf legt die Hände hinter den Rücken, ihr Oberkörper steckt in einer Schlaufe. Auch sie wird nur durch ihre Mitschüler, die sie am Seil festhalten, vor einem schmerzhaften Sturz bewahrt. „Das war schon ein komisches Gefühl“, berichtet Tessa Mankopf. „Aber es ist auch ein schönes Gefühl“, ergänzt Jacqueline Veith, die das vertrauensbildende Experiment wie alle anderen Klassenkameraden schadlos übersteht.

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