EINSWARDEN - Elie Sabry trägt ausgewaschene Jeans, Dreitagebart und Armani-Brille. Mit blauer Kreide schreibt er die Wörter guitare, musique, champignon und probleme an die Tafel. Was mögen sie auf Deutsch heißen? Die Sechst- und Siebtklässler antworten schnell; Gitarre, Musik, Champignon und Problem. „Also“, fragt Elie Sabry mit französischem Akzent, „ist Französisch schwierig?“
Die wichtigste Lektion
Dass Französisch nicht schwierig ist, sondern eine Sprache, die zu beherrschen sich lohnt, ist die wichtigste Lektion, die die Schüler der Realschule Am Luisenhof bei Elie Sabry lernen sollen. Der 24-Jährige stammt aus der Universitätsstadt Poitiers im Nordwesten Frankreichs und will im nächsten Schuljahr als Geschichtslehrer in den französischen Schuldienst gehen. Vorher gönnt er sich ein Auslandsjahr in Deutschland – als Lecteur im France-Mobil.
Das France-Mobil ist tatsächlich ein Auto: ein auffälliger Renault-Kastenwagen, der selbstverständlich in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot daherkommt. Seit 2002 ist das France-Mobil in Deutschland im Einsatz, besucht Schulen und wirbt für Frankreich, die französische Sprache und die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Zehn Fahrzeuge sind in Deutschland unterwegs, Elie Sabry fährt das für Niedersachsen und Bremen. Die Aktion ist auf Initiative der französischen Botschaft in Berlin und der Robert-Bosch-Stiftung entstanden.
Oft im Auto
Elie Sabry fährt viel mit dem Auto. Am vergangenen Mittwoch war er in Wolfsburg, an diesem Freitag ist er in Osnabrück. Und zwischendurch macht er Station in Einswarden, wo er die Französisch-Klassen in drei Gruppen für seine Sprache einzunehmen versucht.
Das ist durchaus nötig, sagt die Französisch-Lehrerin Renate Poelmann, die die Sprache in der Realschule als Wahlpflichtkurs anbietet. In den vergangenen Jahren hat das Interesse an Französisch immer weiter abgenommen, obwohl es ein Eintrittsschein für den späteren Besuch des Gymnasiums ist.
„Französisch ist anspruchsvoll und eigentlich ein Hauptfach wie Englisch oder Mathematik“, sagt Renate Poelmann. Sie unterrichtet vier Stunden in der Woche, es gibt Hausaufgaben und Klassenarbeiten. Das schreckt manchen ab. In den Klassen 6 und 7 haben 24 Schüler gemeinsam Französisch, in der Klasse 8 sind es noch 10, in der Klasse 9 nur noch 6, und in der Klasse sind schließlich 5 übrig geblieben. Der Besuch des France-Mobil war also absolut sinnvoll.
