Einswarden - Kinder sind eigenständige Persönlichkeiten, die ein Recht auf Selbstbestimmung haben. Das ist den Mitarbeitern der Kindertagesstätte Einswarden längst klar. Doch in Zukunft wollen sie den Mädchen und Jungen häufiger ermöglichen, dieses Recht auch wahrzunehmen.
Die Kindertagesstätte nimmt an einem Beteiligungsprojekt teil, bei dem die Kinder stärker in Entscheidungen eingebunden werden sollen. In drei Kindertagesstätten in der Wesermarsch – in Berne, Brake und Jade – läuft das Partizipationsprojekt bereits.
Bildungsregion
Das Fortbildungsprogramm wurde durch die Bildungsregion initiiert und wird vom Landkreis finanziert. Kita-Leiterin Kerstin Ulke und ihr Team haben gemeinsam mit Sozialpädagogin und Supervisorin Jutta Philipson-Eichert, die von der Bildungsregion für das Projekt engagiert wurde, an zwei Fortbildungstagen einen Rahmen für ein Teilhabeprojekt erarbeitet.
Damit Kinder lernen können, Verantwortung zu übernehmen, müssen die Erwachsenen ihnen die Möglichkeit dazu geben. Starten will das Team in Einswarden mit einer Neustrukturierung des Frühstücksbuffets. Das Buffet, an dem sich alle bedienen dürfen, gibt es immer freitags. Bisher haben die Erwachsenen entschieden, was gegessen wird. Bald bestimmen die Kinder selbst, was auf den Tisch kommt.
Dass ab sofort nur noch Schokocreme gegessen wird, müssen die Eltern aber nicht befürchten. Wenn ihnen die notwendigen Informationen kindgerecht vermittelt werden, zeigen sich die Jüngsten oft sehr kompetent.
Beim Frühstück soll es nicht nur darum gehen, was lecker schmeckt, die Kinder sollen sich darüber klar werden und austauschen, was ein Frühstück bieten sollte. Dazu gehört auch, dass es ihnen Kraft für den Tag spenden soll.
Das Frühstücksbuffet haben die Mitarbeiter bewusst als Start für das Projekt ausgewählt. Der Umfang und Rahmen sind für die Kinder greifbar. Und das Thema hat einen konkreten Bezug zu ihrer Lebenswelt.
Demokratisch verhandeln
Und sollte bei den Überlegungen der Kinder doch der Appetit auf Süßes über alle anderen Argumente siegen, haben die Erzieher zur Not noch ein Vetorecht. Doch wann dieses zum Einsatz kommen darf und ob zwei oder drei süße Frühstückskomponenten in Ordnung sind, soll zukünftig ebenfalls demokratisch verhandelt werden.
So lernen die Kinder, demokratische Kompetenzen auszubilden, zum Beispiel wie sie sich in einer Gemeinschaft organisieren, eigene Wünsche einbringen und welche Regeln sinnvoll sind.
Doch auch die Erwachsenen sollen ihre Rolle reflektieren und lernen, wie sie die Kinder optimal begleiten, wie sie Macht abgeben können, aber gleichzeitig weiter die Verantwortung tragen.
